2015 - Dr. Birgit Meineke - Haxter-Chronik

Haxter
Chronik
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HAXTER > Name "Haxter"
Dr. Birgit Meineke - 2015
Weiterhin habe ich mich beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) erkundigt und da speziell an die Kommission für Mundart- und Namensforschung Westfalens und persönlich an Frau Dr. Birgit Meineke gewandt.
Lokativische Dativ-Plural-Form zu altsächsisch, mittelniederdeutsch hūs ‚Haus‘.
Die älteren Zeugnisse des Ortsnamens lauten z.B.: z. J. 1036 (um 1160) Hassuithehuson, Tenckhhoff (Hg.), Vita Meinwerci, S. 131, Z. 9; z. J. 1036 (Abschrift um 1408) Hasuithehusen, UB [Urkundenbuch] Busdorf Nr. 1, S. 5; 1182–1183 Hassvuitheusen korr. < Hassurtheusen, UB Busdorf Nr. 9, S. 17; z. J. 1183 (Abschrift um 1408) Hassvuithehusen, UB Busdorf Nr. 10, S. 18; 1206 Haswthehusen, UB Busdorf N. 13, S. 21; 1269 Helmicus de Haxwidehusen, WUB Bd. IV, Nr. 1191, S. 586; 1324 Haxedehusen, UB Busdorf Nr. 122, S. 119; 1340 Haxtehusen, UB Busdorf Nr. 166, S. 171; 1373 Haxstehusen, UB Busdorf Nr. 332, S. 296; 1496 (gleichzeitige Abschrift) Haxthusen, UB Busdorf Nr. 1151, S. 702; zur Wüstung auf der Haxterhöhe bzw. Haxterberg südlich von Paderborn vgl. Berndt (Hg.), Vita Meinwerci, S. 251 Anm. 989; zum Flurnamen Haxtergrund Förstemann, Ortsnamen, Bd. I, Sp. 1154; zum Grundbesitz der Familie von Haxthausen Decker, Adelsfamilien, S. 184 ff. Der Ortsname ist ein typischer Siedlungsname mit einem sogenannten Grundwort -hūsōn (Form des Dativ Plural), das mit ‚bei den Häusern’ übersetzt werden kann. Im ersten Teil zeigt sich ein alter weiblicher Rufname Hassuith (Form im Genitiv Singular). Der ganze Ortsname ist also zu erklären als ‚bei den Häusern der Hassuith’.
In Verbindung mit dem Wüstungsnamen stehen dortige Flurnamen wie Haxterhöhe, Haxter Pohl, Haxterberg, Haxterholz, Haxterfeld oder Haxtergrund. In diesen Fällen zeigt sich mit Haxter eine sehr stark zusammengezogene Bewohnerbezeichnung (im Genitiv Plural), die aus einem vollständigeren Haxthausener entstanden ist und alte Besitzverhältnisse (der Haxthausener) anzeigen wird. Die kontrahierte Namenform Haxter(n) findet sich spätestens seit dem 16. Jahrhundert (z.B.  1524 her Wolff van Haxter, 1579 Elmerhus von Haxtern).
In lippischen Salbüchern kommt z.B. um 1620 der Name Hermen von Haxtern unmittelbar neben Hermen von Haxthausen für die gleiche Person vor.
Der erste Teil des Flurnamens führt also ursprünglich nicht auf ein mundartliches Haxter für den Habicht (<*Hakstert mit Variante Hak- für Haken ‚Ge-, Verbogenes‘ und niederdeutsch -stert ‚Schwanz‘), wie Rohrbach, Paderborner Feldmark, S. 23 und Koch, überlieferte Lo-Bezeichnungen, S. 118 f. gemeint haben, sondern zeigt, wie beim Flurnamen Querholz (zum Wüstungsnamen Queden < *Qued(en)erholz), eine stärker kontrahierte Einwohnerbezeichnung zum Ortsnamen Haxthausen.
Eine Verbindung mit der Vogelbezeichnung könnte allenfalls nachträglich als volksetymologische Ummotivierung nach dem mundartlichen Wort aufgekommen sein.

In der Nähe von Schlangen gibt es einen Flurnamen "Haxtern". Zu diesem Flurnamen schreibt Frau Dr. Birgit Meineke auf Seite 71, wobei zunächst die verschiedenen Namenformen im Laufe der schriftlichen Überlieferung referiert werden:

Haxtern
ca. 1620 zwischen Johanmans Churdt und Haxter Land / von Haxthauser Lenderei / beim Rauhen Baum bei Haxtern. 1695–1696 (Go, A) Haxthausische Wiese.
1769 in des Herrn von Haxthausen Wiesen im Huxsolle.
1782 mit des von Haxthausen Wiese.
Die Form Haxtern ist kontrahiert aus dem im Dativ Plural flektierten Einwohnernamen (bei den) Haxthausenern bzw. im Genitiv Plural der Haxthausener (vgl. ca. 1620 Hermen von Haxtern, Salbücher Nr. 2899; Hermen von Haxthausen, Nr. 2900) und bezieht sich auf den Herkunftsnamen der Familie von Haxthausen, eines der führenden Rittergeschlechter des Hochstifts Paderborn, das nach dem südlich von Paderborn gelegenen < Haxthausen benannt wird (vgl. → Lippspringer Feld, Westphalen).

Der Ortsname Haxthausen beruht auf einer Zusammenrückung von Grundwort -hausen ‚bei den Häusern‘ und dem Bestimmungswort Haxt-, dem ein älteres Hassuithe- zugrundeliegt, eine Variante des im Genitiv Singular stark flektierten weiblichen altsächsischen Rufnamens Hō(h)swīth (Erstglied zum Personen-Stamm HAUHA zu altsächsisch, althochdeutsch hō(h) ‚hoch‘, Zweitglied zum Personen-Stamm SWĪTHA / SWĪTHĪ zu altsächsisch suīth(i) ‚stark‘, althochdeutsch swīd ‚Unheil‘).

Quelle: "Flurnamen der Gemeinde Schlangen" von Dr. Birgit Meineke (Verlag für Regionalgeschichte, 2015)
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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