Das Hermannsdenkmal - Haxter-Chronik

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Das Hermannsdenkmal
Auf den Höhen des Teutoburger Waldes, südlich von Detmold steht in grandioser Lage das Hermannsdenkmal. Es liegt auf 386 m ü. NN und bietet bei schönem Wetter einen atemberaubenen Blick in die Landschaft. Schaut man nach Nordwesten, so fällt einem der schmale, langgestreckte Grat des Teutoburger Waldes ins Auge, der die Westfälische Bucht vom fruchtbaren und dicht besiedelten Ravensberger Hügelland trennt. Im Norden und Osten schließt aich das Weserbergland mit seiner stark gegliederten und bewaldeten Landschaft an. 1875 eingeweiht, gehört das Hermannsdenkmal heute zu größten Attraktionen des Lipperlandes und ist weltweit dessen bekanntester "Botschafter", Hunderttausende Besucher von nah und fern besichtigen es Jahr für Jahr. Das Hermannsdenkmal ist aber nicht nur eine Touristenattraktion, sondern es ist ein politisches Monument und ehemals ein Nationaldenkmal, durch das politische Aussagen und Standortbestimmungen an die Bevölkerung vermittelt wurden und das politisch auch immer wieder instrumentalisiert wurde. Es ist somit für viele heute auch ein rätselhaftes und erklärungsbedürftiges Denkmal.


Ein Denkmal für einen Cherusker
Das Hermannsdenkmal stellt den Cheruskerfürsten Arminius dar. In der Annahme, dass Arminius eine lateinische Ableitung aus dem germanischen "Heermann" (= Mann des Heeres) sei, wurde sein Name allerdings Anfang des 16. Jahrhunderts in "Hermann" eingedeutscht und seitdem verwendet.
Der historische Arminius wurde zwischen 18 und 16 v. Chr. als Spross einer führenden Familie des Germanenstammes der Cherusker geboren. Zu jener Zeit versuchte der römische Kaiser Augustus das rechtsrheinische Germanien zu unterwerfen und zu einer Provinz zu machen. Arminius erlernte durch besondere politische Umstände die lateinische Sprache, erhielt das römische Bürgerrecht und wurde sogar in den Ritterstand, einen hohen gesellschaftlichen Rang Roms, aufgenommen. Ab etwa 4 n. Chr. befehligte er als Offizier einen Cheruskischen Truppenverband in römischen Diensten.
Im Jahre 9 n. Chr. gelang es Arminius mehrere germanische Stämme zu einem Bündnis gegen Rom zu vereinen. In der sog. "Schlacht im Teutoburger Wald" konnte er ein großes römisches Herr unter dem Feldherren und Statthalter Publius Quinctilius Varus vernichtend schlagen. Dieser und weitere Erfolge in den Jahren 15/16 n. Chr. bewirkten, dass sich die Römer aus dem rechtsrheinischen Germanien zurückzogen.
Nach dem Abzug der Römer versuchte Arminius seine hervorgehobene Stellung in Germanien auszubauen. Er scheiterte aber und wurde wohl im Jahre 21 n. Chr. von seinen eigenen Verwandten ermordet.
Auch sein privates Leben endete tragisch. Er war mit Thusnelda verheiratet, die schwanger in römische Gefangenschaft geriet. Dennoch wurden seine Taten in Germanien noch mindestens hundert Jahre nach seinem Tod in Heldenliedern und Gesängen gerühmt. Auch römische Schriftsteller bescheinigten ihm, dass er ausgesprochen tapfer, charismatisch und für einen "Barbaren" von ungewohnt schneller Auffassungsgabe war.
Authentische Bildnisse hat es von Arminius in der Antike nie gegeben, so dass sich ab der Neuzeit jede Epoche ihr eigenes Arminius-Bild schaffen konnte.

Ein Held wird denkmalwürdig
Taten und Charaktereigenschaften des Arminius sind uns ausschlißlich durch römische Schriftsteller überliefert. Dies bedeutet, dass er aus römischer Perspektive beurteilt wurde und somit keine im heutigen Sinne objektiven Informationen vorliegen. Arminius war in der antiken Literatur eine im Wesentlichen konstruierte Figur. Dennoch avancierte der Cherusker seit dem 15. JAhrhundert, in welchem verschiedene römische Schriften mit Nachrichten über Arminius wieder entdeckt wurden, zu einer zentralen Symbolfigur bei der Formulierung einer deutschen Identität.
Es sind vor allem drei Aussagen über Arminius, die sich für die Definition zunächst einer deutschen Kulturnation und später dann auch einer politischen Nation hervorragend eigneten: Herausragende Charaktereigenschaften lassen ihn als einen fähigen und moralisch intgeren Menschen erscheinen. Die Einigung zerstrittener Stämme ermöglichte es Arminius, diese zu erfolgreichem, gemeinschaftlichem Handeln zu führen und schließlich bezeichnete der römische Schriftsteller Tacitus ihn als Befreier Germaniens von Fremdherrschaft. Letzteres implizierte den Erhalt der kulturellen Eigenart der Germanen, welche später als Vorfahren der Deutschen angesehen wurden.
Diese Eigenschaften ließen sich recht einfach auf jeweils aktuelle politische und kulturelle Zustände in Deutschland übertragen. So war Arminius mal ein mythischer Vorfahre der Deutschen, für die Reformatoren im 16. Jahrhundert war er ein Vorbild für den Kampf gegen das päpstliche Rom und mal war er Vorkämpfer für den Erhalt und die Wertschätzung vermeintlich deutscher Kultur gegenüber der scheinbar übermächtigen höfischen Kultur Frankreichs im 18. Jahrhundert. Besonders in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts erstarkte die Bedeutung des Bürgertums in der Gesellschaft, welches zusehends die Ideen für die Nationenbildung transportierte. Im Gegensatz zum Adel, der durch Stammbäume eine lange und glorreiche Vergangenheit vorweisen konnte, war das Bürgertum auf die große Vergangenheit der Gemeinschaft, also der Nation als Identitätsstifter angewiesen. Deutschland war damals im Rahmen des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation in viele Territorien zersplittert und man begnügte sich zunächst mit der Definition einer deutscher Kulturnation, die dem Bürgertum Orientierung geben sollte. Angeregt durch die Französische Revolution 1789 und beschleunigt durch die Zerschlagung des Reiches und die Besetzung weiter Teile Deutschlands durch Napoleon I. von Frankreich strebte das Bürgertum nun auch eine politische Nation an. Arminius galt als Vorbild für die Vereinigung der zersplitterten deutschen Staatenwelt und für die Befreiung von französischer Fremdherrschaft. Fortan gehörte er im 19. Jahrhundert zu den wichtigsten nationalstaatlichen Symbolen in Deutschland.

Monumentale Mahnmale - Vorläufer des Hermannsdenkmals
Nachdem Arminius über Jahrhunderte hinweg fast ausschließlich ein literascher Held gewesen war, der vor allem in Gelehrtenkreisen beachtet wurde, fanden Darstellungen von ihm spätestens seit dem Erscheinen der Dramen der Dichter Schlegel und Klopstock Eingang in das Kunstschaffen und Kunsthandwerk. Seit der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts reiften auch zahlreiche Denkmalprojekte, um den Helden sichtbare Zeichen zu setzen. Zunächst waren es Adlige, die in ihren neu entstehenden, durch England inspirierten klassizistischen Landschaftsgärten Denkmale errichteten. Martin Ernst von Schlieffen beispielsweise ließ ihm 1781 im Park des Gutes Windhausen bei Kassel einen großen Stein mit Inschrift setzen. Die Grafen von Brühl errichteten kurze Zeit später im Seifersdorfer Tal bei Dresden unter einer Eiche einen Siegesaltar und brachten darüber imitierte Beutewaffen aus der Schlacht im Teutoburger Wald an. Landgraf Friedrich V. von Hessen-Homburg plante schließlich ein Denkmal auf dem Winfeld auf dem Südabhang des Teutoburger Waldes. Es wurde ebenso wenig ausgeführt wie ein Entwurf des lippischen Archivrates Ludwig Knoch, der in den 1780er Jahren an gleicher Stelle einen kegelförmigen Berg mit einer Hermann-Säule als Bekrönung aufschütten lassen wollte. Inspiriert durch die Befrieungskriege gegen Napoleon legte Karl Friedrich Schinkel 1814/15 einen monumentalen und wegen seiner Dimensionen kaum ausführbaren Entwurf eines Denkmals vor. Bei diesem Vorschlag reitet Arminius zu Pferde einen römischen Soldaten mit Legionsadler nieder, womit hier das Motiv des Drachen tötenden St. Georg aufgegriffen wird.

Ernst von Bandel und die Baugeschichte des Hermannsdenkmals
Nachdem Napoleon 1815 besiegt und die französischen Truppen aus Deutschland abgezogen waren, gelang es den deutschen Fürsten durch die Verhandlungen auf dem Wiener Kongress ihre Machtposition zu erhalten bzw. wieder zu erlangen. Die Hoffnungen zahlreicher Patrioten, einen deutschen Nationalstaat mit bürgerlichen Freiheiten und Rechten errichten zu können, zerschlugen sich. Die Idee eines deutschen Nationalstaats blieb aber weiterhin aktuell.
Zu den Verfechtern dieser Idee gehörte auch der junge Ernst von Bandel, der im Jahre 1800 als Sohn eines Regierungsdirektors in Ansbach/Franken zur Welt kam. An der Kunstakademie München studierte er von 1817 bis 1823 Architektur, Malerei und Bildhauerei und legte damit die Grundlagen für sein späteres Schaffen. Die von den bayerischen Königen geörderte Münchener Kunstakademie zog damals viele bedeutende Künstler an und ermöglichte dem jungen Bandel eine intensive Auseinandersetzung mit den im Wesentlichen vom Klassizismus geprägten Kunstströmungen. Den Klassizismus mit seiner Orientierung an der griechisch-römischen Architektur lehnte er zwar als "undeutsch" abund scheute sich später nicht, mit berühmten Kollegen wie Gottfried Schadow Dispute in dieser Sache auszutragen. Bandel strebte vielmehr danach, eine vermeintlich deutsche Architektur zu bauen, doch bewegte er sich dennoch mangels architektonischer Alternativen fast vollständig auf den Spuren antiker Architektur.
Rückblickend hat sich Bandel selbst sowie die Geschichtsschreibung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts eine ausgeprägte patriotische Gesinnung schon seit der Kindheit zugeschrieben. So habe er als Kind die französische Besetzung Ansbachs erlebt und eine tiefe Abneigung gegen Frankreich entwickelt. Glühender Patriotismus und die Abneigung gegen Frankreich waren Triebfedern für seinen unermüdlichen Einsatz bei der Planung und Umsetzung des Hermannsdenkmals bei Detmold. Diese Arbeiten bestimmten sein Leben bis zum Ende und man kann mit Recht behaupten, dass das Monument in vielerlei Hinsicht das Werk eines Mannes sei.
Bereits während seines Münchener Studiums scheint er 1819/20 einen ersten Entwurf für ein Denkmal, welches er der Deutschen Nation widmen wollte, geschaffen zu haben. Es dauerte allerdings noch viele Jahre bis Bandel an die Realisierung gehen konnte, da er zunächst in Nürnberg, München und Hannover als Bildhauer zahlreiche Aufträge annahm, um seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Andererseits hatte er einige Mühe, potente Unterstützer für sein Projekt zu gewinnen.
Getrieben vom Drang, endlich einen geeigneten Platz für ein Nationaldenkmal zu finden, wanderte Ernst von Bandel im September 1836 von Bielefeld aus durch den Teutoburger Wald und gelangte schließlich auch nach Detmold. Vermutlich lockte ihn sein STudienfreund Wilhelm Tegeler, der inzwischen im fürstlich-lippischen Staatsdienst arbeitete, dorthin. Er vermittelte ihm auch die gesellschaftlichen Kontakte, die für die Realisierung des Denkmalprojektes in finanzieller und organisatorischer Hinsicht unverzichtbar waren. Insbesondere Moritz Leopold Petri, ein Vertreter des liberalen Detmolder Bildungsbürgertums und der vormärzlichen Vereinsbewegung, wurde der wichtigste Verbündete Bandels. Ende 1837 erteilte der lippische Fürst Leopold II. die Genehmigung, das geplante Denkmal auf der Grotenburg zu errichten. Dieser Berg südlich von Detmold bot nicht nur eine exponierte, weithin sichtbare Lage, sondern galt auch in der Heimatforschung mit seiner prähistorischen Wallanlage als Burg des Arminius und wurde auch Teutberg genannt. Der Ort der Schlacht im Teutoburger Wald wurde unter anderem auf dem Winfeld ganz in der Nähe vermutet. Somit konnte das Monument in einen passenden historisch-geografischen Kontext eingebettet werden.
Im Jahre 1838 gründete Petri einen Verein, der das Ziel hatte, für den Bau zu werben und das notwendige Geld zu sammeln. Weitere Vereinsgründungen z.B. in Hannover und Berlin folgten. Zahlreiche Menschen spendeten, darunter auch bekannte Persönlichkeiten wie König Ludwig I. von Bayern oder Heinrich Heine. Dieses Denkmalprojekt wurde also nicht nur von einem einzelnen deutschen Fürsten, sondern von vielen Personen, vor allem von nationalbewussten Bürgern in ganz Deutschland unterstützt. Die Bauarbeiten begannen mit Ausschachtungen und Planierungen am 9. Juli 1838. Am 18. Oktober, dem 25. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, erfolgte dann die Grundsteinlegung, Das Grundsteingewölbe wurde am 8. September 1841 im Rahmen eines Festaktes geschlossen. Moritz Leopold Petri hielt eien patriotische Rede, in der er betonte, dass Arminius durch die Schlacht im Teutoburger Wald die deutsche Sprache, Sitten und Freiheit erhalten habe. Davon ableitend gestand er allen Nationen einen Nationalstaat zu. Das Hermannsdenkmal sollkte also an das historische Ereignis erinnern und die Lebenden ermahnen, einen deutschen Nationalstaat zur Wahrung deutscher Eigenart anzustreben.
Wenige Jahre später, im Jahre 1846 wurde der Sockel des Denkmals fertig gestellt. Die Wollendung des Monuments ließ allerdings noch Jahrzehnte auf sich warten und der leere Sockel bestimmte lange Zeit die Landschaft rund um die Grotenburg. Der Stillstand auf der Baustelle hatte im Wesentlichen zwei Gründe. Einerseits überwarf sich Bandel mit dem Detmolder Verein, der unter anderem monierte, das der Sockel mit 4000 Talern wesentlich teurer als zuvor veranschlagt war und verlässliche Kostenvoranschläge für den Bau der Statue forderte. Der eigensinnige Baumeister war zu keinen Kompromissen bereit und zog mit seiner Familie nach Hannover. Andererseits erlahmte die nationale Euphorie in Deutschland spätestens seit der hinsichtlich der Schaffung eines deutschen Nationalstaats mit entsprechenden Bürgerrechten gescheiterten Revolution von 1848. Erst die allgemeinen politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa in den 1860er Jahren brachten erneuten Schwung in den Denkmalbau. Insbesondere die Politik des preußischen Königs Wilhelm I. und seines Ministerpräsidenten Otto von Bismarck hatte das Ziel, Deutschland unter der Hegemonie Preußens und ohne Österreich zu einem politischen, militärisch und wirtschaftlich starken Nationalstaat zu formen. Der Sieg im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 führte schließlich zru Proklamation des zweiten deutschen Kaiserreichs mit Wilhelm I. als Kaiser. Das Hermannsdenkmal wurde als Symbol für diesen NAtionalstaat nun wieder gebraucht. Doch symbolisierte es nun vor allem den wirtschaftlich und militärisch starken und von Preußen dominierten Nationalstaat, der über seinen "Erzfeind" Frankreich gesiegt hatte.
Nachdem Ernst von Bandel bereits in den 1850er Jahren zusammen mit seinem Sohn Roderich, einem Architekten, das Innengerüst der Hermannstatue entworfen hatte, begann er ab1862 mit der Fertigung einzelner Statuenteile in Hannover, wie dem Kopf, Schwert, den Armen und Füßen. 1869 erhielt er in seinem Hannoveraner Atelier Besuch von Wilhelm I.. Spendengelder für den Weitebau flossen nun reichlich. Neben vielen Privatleuten spendeten 1871 sowohl der deutsche Kaiser als auch der neue Reichstag.
Seit 1871 arbeitet Bandel wieder auf der Denkmalbaustelle und leitete die Arbeiten ab 1872 von der heute noch stehenden Holzhütte aus, der sog. "Bandelhütte". 1875 wurde das Hermannsdenkmal endlich fertig gestellt und konnte am 16. August feierlich in Anwesenheit des Deutschen Kaisers Wilhelm I. und zahlreicher Gäste eingeweiht werden. Es wurde symbolisch dem Deutschen Volk überreicht und damit zum Nationaldenkmal.
Ernst von Bandel erhielt hohe Ehren, starb jedoch ein Jahr später mit 76 Jahren, nachdem er 38 Jahre an der Verwirklichung seiner Denkmalidee gearbeitet hatte.  

Ikonographie des Hermannsdenkmals
Ein authentisches Bildnis des Arminius hat in der Antike nie exestiert, da die Römer ihre "barbarischen" Gegner niemals als Individuen, sondern immer als Typus dargestellt haben. Die Künstler seit der Renaissance hatten also immer die Freiheit, sich ein zeittypisches Bild Hermanns zu erschaffen. So wählte auch Ernst von Bandel die Bildsprache seiner eigenen Zeit.
Ein erster gezeichneter Entwurf der Hermanns-Statue ist aus dem Jahre 1834. Hier finden sich bereits im Wesentliuchen alle Elemente der späteren Ausführung, doch gibt es Unterschiede im Detail. Hermann steht auf einer Felsspitze, ist mit einer Tunika und einem Tierfell als Umhang bekleidet und stützt sich mit seiner Linken auf einen großen, unten spitz zulaufenden Schild. Mit seinem linken Fuß tritt er auf einen Adler, als Symbol der besiegten römischen Legionen. Er ist ausgestattet mit einem Schwertgehänge. Auf seinem bärtigen, langhaarigen Kopf trägt er einen Flügelhelm. Hermann reckt mit seiner rechten Hand siegreich sein Schwert empor, senkt seinen Blick jedoch nachdenklich nach unten.
In einer Zeichnung von 1838 hat Bandel die STatue etwas modifiziert und einen Vorschlag für den Sockel vorgelegt. Hermanns Blick ist nun entschlossener nach oben gerichtet, sein Helm ist mit einem Eichenlaubkranz versehen und sein linker Fuß steht außer auf einem Adler auch auf einem Rutenbündel (Fasces), dem Symbol römischer Amtsgewalt und Gerichtsbarkeit. Der Felsbroken, auf dem die Statue steht, wird von einer mächtigen Säule getragen, die die ihrerseits auf einem runden Postament ruht. Griechischen Tempeln gleich ist die Säule mit einem breiten Reliefband verziert. Weiterhin wird sie vonnn einem Säulenkranz gerahmt, der durchein luftiges Geflecht von gotisierenden Streben mit ihr verbunden ist.
Im gleichen Jahr besuchte Bandel den bayerischen König Ludwig I. und warb um finanzielle Unterstützung. Die wurde ihm auch zugesagt, doch formulierte der König einen Änderungswunsch. Statt des Felsens wünschte er sich eine steinerne Kuppel als Postament der Statue. Konfrontiert mit weiterer Kritik aus den Reihen des Detmolder Denkmalvereins und einem Alternativentwurf der berühmten Berliner Bildhauer und Architekten Karl Friedrich Schinkel und Christian Daniel Rauch, der eine schlichtere Form, in seinen Dimensionen aber nicht weniger monumentale Ausführung vorsah, überarbeitete Bandel den Sockelentwurf erneut. Er wirkt in seiner endgültigen Ausführung schwerer und kompakter. Eklektizistisch verwendet er unterschiedlichste Architekturzitate. Durch die Ausführung einer Steinkuppel imitiert er einen griechisch-römischen Rundtempel (Monopteros), obwohl der ehemals freistehende Säulenkranz nunmehr in Form von 10 Pfeilern direkt mit der tragenden, zentralen Konstruktion verbunden ist. Die gotisierenden Streben sind zu einem Gewölbe geschlossen, welches die umlaufende Aussichtsplattform trägt. Diese Plattform kann durch eine steinerne Wendeltreppe im Inneren erreicht werden. Eichenlaubkränze als Symbole für die Erringung eines Sieges schmücken den oberen Abschluss der Bögen. Die gotisierenden Gestaltungselemente behielt Bandel bewusst bei, da er in ihnen wie viele seiner Zeitgenossen auch für den Ausdruck eines "deutschen Baustils" und deren Verwendung mit den Inhalten des Denkmals für besser vereinbar hielt. Weitere Inspiration erhielt Bandel durch das Mausoleum des Ostgotenkönigs Theodorich in Ravenna aus dem 6. Jahrhundert, der als Held deutscher Frühgeschichte galt. Grundriss und ähnliche Gliederung lassen enge Bezüge herstellen. Durch die Zusammenfügung der verschiedenen Elemente und Architekturzitate schuf Ernst von Bandel ein einzigartiges Monument, welches Arminius quasi in eine religiöse Spähre hob.
Die letztendlich ausgeführte Variante der Statue, die aus einzelnen Kupferplatten besteht,welche an einem stabilisierenden Innengerüst angebracht sind, ist etwas gestreckter als der ursprüngliche Entwurf. Die Figur stützt sich auf einen Schild und recht mit dem rechten Arm ein Schwert siegreich empor. Ihr linker Fuß ist auf einen Legionsadler, der Militärstandarte der römischen Legionen und ein Rutenbündel, der Insignie römischer Amtsgealt, gestellt. Über seiner Tunika trägt Hermann nun einen Stoffmantel, der von einer Fibel mit Kreuzmotiv auf seiner Brust zusammengehalten wird. Der blanke Helm geht auf einen griechischen Typus zurück und wird von Adlerflügeln gekrönt, die von Hirschgeweihen stabilisiert werden. Der spitze Schild, auf den er sich stützt, hat hochmittelalterliche Vorbilder. Seine Kleidung und Ausrüstung entsprechen also nicht dem, was der historische Arminius getragen hat, sondern den Vorstellungen Ernst von Bandels und seiner Zeitgenossen. Er schuf dabei kein völlig neues Hermanns-Bild, sondern konnte auf bereits bestehende Typen zurückgreifen.
Die Hermannsfigur ist nach Südwesten ausgerichtet, so dass der Besucher ungewöhnlicher zunächst auf die Rückseite des Monuments schaut. Sie blickt also entgegen früherer Planungen drohend Richtung Römisches Reich und Frankreich, welches im 19. Jahrhundert als stärkste politische Konkurenz Deutschlands in Europa empfunden und zum "Erzfeind" stilisiert wurde. Diese neue Ausrichtung ist also dem aggressiven wilhelminischen Zeitgeist geschuldet.

Inschriften am Hermannsdenkmal
Am Sockel des Denkmals wurden von Ernst von Bandel mehrere Inschriften angebracht, die vom Geist des deutschen Nationalismus in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts geprägt sind. Neben einer Textpassage des römischen Schriftsteller Tacitus, in der er Arminius positiv charakterisiert, finden sich Texte, die an die so genannten Befreiungskriege gegen Napoleon I. von Frankreich und den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 erinnern. Sie sind dem damaligen Zeitgeist entsprechend in einem aggressiven antifranzösischen Ton formuliert, der heute befremdlich anmutet. Der deutsche Kaiser Wilhelm I. wird anhand seiner Taten mit Arminius verglichen.

Inschrift auf dem Schwert
DEUTSCHE EINIGKEIT MEINE STÄRKE - MEINE STÄRKE DEUTSCHLANDS MACHT

Inschrift auf dem Schild
TREUFEST

Inschriften in den Nischen
ARMINIUS LIBERATOR HAUD DUBIE GERMANIE QUI NON PRIMORDIA POPULI ROMANI, UT ALIL REGES DUCESQUE, SED FLORENTISSIMUM IMPERIUM LACESSIERIT: PROELIIS AMBIGUUS, BELLO NON VICTUS (nach Tacitus, Annalen, Buch II, Kapitel 88)
Arminus ohne Zweifel Deutschlands Befreier, das römische Volk nicht in seinen Anfängen bedrängt hat wie andere Könige und Heerführer, sondern in der höchsten Blühte seiner Heerschaft, in Schlachten mit schwankendem Erfolg, im Kriege nicht besiegt.

NUR WEIL DEUTSCHES VOLK VERWELSCHT UND DRUCH UNEINIGKEIT MACHTLOS GEWORDEN, KONNTE NAPOLEON BONAPARTE, KAISER DER FRANZOSEN,MIT HILFE DEUTSCHER DEUTSCHLAND UNTERJOCHEN. DA ENDLICH 1813 SCHARTEN SICH UM DAS VON PREUSSEN ERHOBENE SCHWERT ALLE DEUTSCHEN STÄMME, IHREM VATERLANDE AUS SCHMACH DIE FREIHEIT ERKÄMPFEND. LEIPZIG, 18. OKTOBER 1813 // PARIS, 31. MÄRZ 1814 // WATERLOO, 18. JUNI 1815 // PARIS, 3. JULI 1815

Inschriften am Relief Kaiser Wilhelm I.
DER LANG GETRENNTE STÄMME VEREINT MIT STARKER HAND, DER WELSCHE MACHT UND TÜCKE SIEGREICH ÜBERWAND, DER LÄNGST VERLORENE SÖHNE HEIMGEFÜHRT ZUM DEUTSCHEN REICH, ARMIN, DEM RETTER, IST ER GLEICH. AM 17. JULI 1870 ERKLÄRTE FRANKREICHS KAISER, LUIS NAPOLEON, PREUSSEN KRIEG, DA ERSTUNDEN ALLE MIT PREUSSEN VERBÜNDETEN DEUTSCHEN VOLKSSTÄMME UND ZÜCHTIGTEN VOM AUGUST 1870 BIS JANUAR 1871 IMMER SIEGREICH FRANZÖSISCHEN ÜBERMUTH UNTER FÜHRUNG KAISER WILHELM VON PREUSSEN, DEN AM 18. JANUAR 1871 DEUTSCHES VOLK ZU SEINEM KAISER ERHOB.

Das Denkmal in Zahlen
Das Hermannsdenkmal besteht aus zwei Teilen: einem steinernen Sockel und der grün schimmernden Figur des Hermann aus Kupfer. Der Sockel ist aus dem vor Ort anstehenden Sandstein errichtet. Zwei STeinbrüche im Bereich der Waldbühne und nördlich des Bismarcksteines sind noch heute erkennbar. Die Figur besteht in ihrem Kern aus einem eisernen Metallgerüst, um das rund zweihundert Platten aus Mansfelder Kupfer zum Standbild des Arminius zusammengefügt worden sind.

Sockel:     27,16 m hoch
Standbild bis zur Schwertspitze:     24,82 m hoch
Standbild bis zum Helm:     16,06 m hoch
Schwert:     7,00 m lang
Schild:     10,00 m hoch
Gesamthöhe des Denkmales:     53,44 m

Gewicht der Kupferplatten:     2-3 kg
Stärke der Platten:     2-3 mm
Gewicht des Schwertes:     11 Zentner
Gewicht des Schildes:     23 Zentner
Gesamtgewicht der Figur:     237 Zentner

Die Bauzeit des Denkmals betrug insgesamt 37 JAhre. Nach der Grundsteinlegung 1838 konnte der Sockel im Jahre 1846 fertig gestellt werden. Erst 1862 wurden die Arbeiten für die Figur fortgesetzt. Im Jahre 1875 konnte das Denkmal schließlich vollendet und eingeweiht werden. Die Gesamtkosten für das Denkmal betrugen 90.000 Taler.  

Das Denkmal nach 1875
Mit dem 1875 eingeweihten Hermannsdenkmal stand nun ein Monument auf den Höhen des Teutoburger Waldes, welches die Vorstellungen von deutscher Geschichte und Größe im 19. Jahrhundert ausdrückte und eindrucksvoll in Szene setzte. Einmal errichtet, regte es seinerseits die Menschen an, sich mit Vergangenheit und Gegenwart auseinanderzusetzen. Bis heute bestimmt es beispielsweise trotz aller inhaltlicher Unzulänglichkeiten die Vorstellungen vom Aussehen und Wirken des Arminius. In die USA ausgewanderte Deutsche organisierten sich in Hermanns-Logen und errichteten in New Ulm/Minnesota ebenfalls ein Denkmal, welches sich stark am Detmolder Monument orientiert.

Der Bismarckstein
Nach 1875 wurde das Denkmalgelände weiter ausgestaltet und durch zusätzliche Bauten und Gedenksteine ergänzt. Der größte ist der Bismarckgedenkstein an der Nordostseite der Bandel-Wiese. Er ist aus grob behauhenen Sandsteinen aufgeschichtet und mit einer Bronzeplakette versehen, auf der das Wappen Otto von Bismarcks dargestellt ist.
Fürst Otto von Bismarck war seit 1862 preußischer Ministerpräsident und von 1871 bis 1890 deutscher Reichskanzler. Er gilt als Architekt des zweiten Deutschen Kaiserreiches, in welchem im Rahmen der sog. Kleindeutschen Lösung ohne Österreich die deutschen Länder in einem Staat zusammengefasst wurden. Seine Zeitgenossen betrachteten ihn als Einiger Deutschlands, daher wurde er gerne mit Arminius/Hermann verglichen. Schon zu seinen Lebzeiten erbaute man ihm zu Ehren viele enkmäler. Im Jahre 1895 wurde ihm anlässlich seines 80. Geburtstages eines am Hermannsdenkmal errichtet. Geplant und finanziert wurde das Monument von Bismarcks "Verehrern am Teutoburger Wald".

Die Treppenanlage
Anlässlich der 1900-Jahrfeier der Schlacht im Teutoburger Wald wurde in den Jahren 1908 und 1909 unterhalb des Denkmals eine Treppen- und Platzanlage errichtet. Nach dem Vorbild griechisch-römischer Architektur wurde der Platz halbkreisförmig mit einer Sizbank gestaltet. Siegesmale mit erbeuteten römischen Waffenteilen verzieren die Brüstung. Auch auf den Stirnwangen der Treppenanlage sind erbeutete Schilde dargestellt. Integriert wurde eine Gedenktafel für den Schöpfer des Denkmals, Ernst von Bandel.
Auf diese Weise wurde die Möglichkeit geschaffen, das Denkmal von vorn zu betrachten und auf sich wirken zu lassen.

Die 1900-Jahrfeier wurde erneut genutzt, deutsche Größe und Einheit zu beschwören, allerdings fand sich wesentlich weniger politische und gesellschaftliche Prominenz in Detmold ein. Kaieser Wilhelm II. wurde wegen des seit dem Lippischen Erbfolgestreit belasteten Verhältnisses zum lippischen Fürstenhaus gar nicht eingeladen. Dafür geriet die Feier vor allem zu einem ausgelassenen Volksfest mit einem großen historischen Umzug in der Stadt, in dem die Detmolder Bürger in die Rollen der vermeintlichen Vorfahren, der Germanen, schlüpften. Im unterhalb des Hermannsdemkmals gelegenen KLienen Hünenring wurde ein Bühnenfestspiel veranstaltet, bei dem Stücke von August Weweler, Heinrich von Kleist und anderer aufgeführt wurden.

Während des Ersten Weltkrieges diente Hermann der Cherusker als Vorbild für die deutschen Soldaten. Gemäß der damaligen Empfindungen hatte man das Gefühl, "Seit an Seit" mit ihm gegen die Feinde Deutschlands zu kämpfen. Diese starke Symbolkraft Hermanns und seines Denkmals hatte nach dem verlorenen Weltkrieg insbesondere bei den republikfeindlichen, koservativen und reaktionären Kreisen eine starke Bedeutung. Hermann verhieß die Rückkehr zu alter Stärke. Dementsprechend war das Denkmal in den 1920er und frühen 1930er Jahren Ziel zahlreicher Gruppentreffen dieses politsch-gesellschaftlichen Milieus. Auch der erste Hermannslauf, ein Sternlauf aus allen Teilen Deutschlands anlässlich des 50. Geburtstages des Hermannsdenkmals, sollte die deutsche Einheit beschwören und war gegen die Versailler Verträge von 1919 gerichtet.

Nach dem Landtagswahlkampf in Lippe im Januar 1933, in welchem die NSDAP vor allem auf Hermann und das Hermannsland setzte und gewann, trat der Mythos um Arminius und sein Denkmal eher in den Hintergrund: Überbordende Germanentümmelei war Adolf Hitler fremd. Auf regionaler Ebene war dies aber anders. Das Hermannsdenkmal blieb wichtiger Bezugsort und verband Stolz mit einstiger Bedeutung und Orientierung hinsichtlich gesellschaftlicher Normen. Dies änderte sich zunächst auch nach 1945 nicht. Nach dem Zusammenbruch Deutschlands spielte der politische Mythos keine Rolle mehr und wurde tabuisiert. In diesem gesellschaftlichen Klima war es seit den 1960er Jahren möglich, den Mythos um Arminius durch kritische wissenschaftliche Forschung zu entzaubern. Dennoch transportiert das Hermannsdenkmal bis heute noch für viele ein diffuses Geschichtsbild, welches geprägt ist von der Vorstellung, die Germanen seien die Vorfahren der Deutschen und Arminius habe für die deutsche Geschichte Großes vollbracht. Dieses Geschichtsbild wurde zuletzt des 2000. Jubiläums der Schlacht vom Teutoburger Wald im Jahr 2009 wissenschaftlich neu aufgearbeitet und bietet den Menschen nun eine entideologisierte, damit aber auch zugegenerweise nüchterne Variante.
Das Hermannsdenkmal ist seit seiner Fertigstellung ein wichtiges Asuflugsziel im Teutoburger Wald. Spätestens mit dem Anschluss Detmolds an das Eisenbahnnetz 1881 strömten die Touristen aus ganz Deutschland und dem Ausland zum Monument. So wird neben aller regionaler Verbundenheit mit dem historischen Thema das Denkmal heute ganz dem Zeitgeist entsprechend als ein wirtschaftlicher Standortvorteil gesehen und dient der Region als Logo.


Quelle: Lippische Kulturlandschaften, "Das Hermannsdenkmal", Heft 25
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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