Externsteine - Haxter-Chronik

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Externsteine
Die Externsteine, am Nordostabhang des Teutoburger Waldes bei Horn gelegen, gehören mit ihren bizarren Formen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten Lippes und des Weserberglandes. Völlig unvermittelt ragen die gewaltigen Felsformationen aus dem bewaldeten und mit einer reichen Vegetation bewachsenen Teutoburger Wald heraus und regen die Menschen schon seit langer Zeit zu allerlei Phantasien an. Gefangen von romantischen Gedanken stellen sie Fragen nach den Schöpfern und Gestaltern der Externsteine. Dabei handelt es sich bei den Externsteinen vor allem um ein von der Natur geformtes Gebilde, welches zu unterschiedlichen Zeiten von Menschen aufgesucht und umgestaltet wurde.



Geologische Grundlagen
Als Teil der mittleren Gebirgskette des Teutoburger Waldes besteht die Felsformation aus dem sog. Osningsandstein, der aus dem Erdzeitalter der Unterkreide stammt. Ihre Entstehung geht auf die Sedimentablagerungen des ehenaligen nordwesteuropäischen Flachmeeres vor rund 100 Mio. Jahren und deren sukzessive Verdichtung zurück. Etwa 30 Mio. Jahre später, am Ende der Kreidezeit, wurde der ehemals lagernde Unterkreide-Sandstein durch Bewegungen der Erdkruste senkrecht aufgestellt. Die Oberseite der heutigen Externsteine bilden die älteren, die Westseite die jüngeren Ablagerungsschichten. Noch heute ist der langgestreckte Grat erkennbar, wie er mit den Externsteinen als Endpunkt aus dem Teutoburger Wald herausragt. Durch die tektonischen Kräfte während der Auffaltung wurde das Gestein gebrochen und zerklüftet, was der späteren Erosion zahlreiche Angriffsflächen bot.
Jahrtausende lange Erosion von Wasser und Wind spülten die Felsformation zunächst aus dem Untergrund frei und formten dann die Oberfläche der Steine. Vorgänger des Baches Wiembecke, welcher noch heute an den Externsteinen vorbeifließt, haben wesentlich dazu beigetragen, dass die Felsen bis zu 40 m aus dem Untergrund herausragen. Die charakteristischen Wollsackverwitterungen entstanden durch Wasser, welches in die Klüfte der Steine eindrang, bei kalter Witterung gefror und unterschiedlich große Steinpartien absprengte.
Das Zusammenwirken von Sandsteinschichtung, Klüften und Verwitterungsformen hat also das heutige Erscheinungsbild der Externsteine entstehnen lassen.

Die Felsen
Die Felsgruppe ragt markant in einer ansonsten weitgehend steinfreien Umgebung in die Höhe und erstreckt sich in einer geraden Reihung über mehrere hundert Metre Länge hinweg. Sie beginnt etwas versteckt im Wald mit einzelnen, aus dem Hand herausragenden kleinen Felsen und reicht bis zu den 13 gut sichtbaren, relativ freistehenden Einzelfelsen. Ihre Zählung erfolgt von Nordwesten nach Südosten. Besonders  beeindruckend sind die freistehenden Felsen I bis V.
Der in seinen Ausmaßen größte Felsen ist Fels I, der heute in den Stauteich hineinragt. Er wird in einen Fels Ia und Ib unterteilt und wegen der eingeabeiteten Räume Grottenfels genannt. Daran schließt sich der aufgrund seiner Form auch als Turmfels bezeichnete Fels II an. Fels III erhielt seinen Namen Treppenfels wegen der eingearbeiteten Treppe.
Eine größere Lücke, trennt die Felsen III und IV. Durch diese Lücke führt ein alter Verkehrsweg, der bis ins 20. Jahrhundert hinein als Vorläufer der Bundesstraße 1 diente.
Vorder- und Rückseite (Südwest- und Nordostseite) der Felsen unterscheiden sich insofern, als auf der Vorderseite wesentlich mehr menschliche Bearbeitungsspuren festzustellen sind. Die Rückseite hat dagegen offenbar seine Ursprünglichkeit stärker bewahrt.

Zeugnisse menschlichen Schaffens
Die markantesten Spuren am Grottenfelsen (Fels Ia) sind das dem Felsen den Namen gegende Grottensystem, die Treppenanlage mit dem Gipfelplateau und das einzigartige Kreuzabnahmerelief.

Das Kreuzabnahmerelief
Das in seinen Ausmaßen von 4,8 m Höhe und 3,7 m Breite gewaltige Relief stellt eine Szene der christlichen Heilsgeschichte dar: die Kreuzabnahme Christi . Joseph von Arimathäa (Mitte links) und Maria (links) nehmen den Leichnam Christi von  Nikodemus in Empfang, der sich, wohl auf einer umgegnickten Palme stehend, am Kreuz festhält. Beobachtet wird diese Szene vom Evangelisten Johannes (rechts), der ein Buch als Symbol für seinen später verfassten Bericht darüber in den Händen hält. Im oberen Reliefteil verhüllen die Personifikationen der Gestirne Sonne und Mond ihr Antlitz in Trauer. Gottvater (oben links) trägt eine Jesuskind im Arm und erteilt seinen Segen. In der untersten Bildleiste werden zwei Menschen, vermutlich Adam und Eva, in der Unterwelt von einem drachenartigen Untier umschlungen.
Einige Reliefpartien wie die Beine und der linke Arm des Nikodemus, die Beine und des Joseph sowie der Kopf der Maria sind mindestens seit dem 17. Jahrhundert verloren.
Die Datierung des Reliefs erfolgt in der jüngeren kunstgeschichtlichen Forschung in die Zeit um 1160/70. Ein alternativer, jedoch aus stillistischen Gründen unwahrscheinlicherer Datierungsansatz weist das Relief in die Zeit um 820 n. Chr. und bringt es mit der Christianisierung Sachsens in Verbindung.

Die Grotten
Das Grottensystem im Fels I ist künstlich angelegt worden. Es umfasst insgesamt drei Räume, die untereinander verbunden sind. Die sog. Hauptgrotte und die Nebengrotte bilden zusammen einen L-förmigen Raum. Der Zugang zur Hauptgrotte erfolgt über einen Treppenaufgang und eine schmale Tür rechts vom Kreuzabnahmerelief, die heute aus Sicherheitsgründen mit einem Gitter verschlossen ist.
Über dem Eingang zur Hauptgrotte befindet sich ein Relief, welches sich vom Kreuzabnahme- und Petrusrelief dadurch unterscheidet, dass es nicht erhaben gearbeitet ist. Lediglich die Umrisse eines offenbar geflügelten Wesens sind grob in den Untergrund eingetieft. So entsteht der Eindruck, dass diese Eintiefung zur Aufnahme des eigentlichen Reliefs aus Stein oder anderen Materials vorgesehen war.
Die ungenauen Umrisse des Reliefs boten auch hier Anlass zu Diskussionen hinsichtlich der Darstellung. Es wurden sowohl das Bild eines Engels als auch eines Adlers vorgeschlagen. Denkbar wäre allerdings auch eine Dartsellung des Heiligen Geistes in Form einer Taube. In jedem Fall ist die Ikonografie wohl am ehesten im christlichen Kontext zu vermuten.
Rechts vom heutigen Eingang zur Hauptgrotte befindet sich ein Rundbogenportal, eventuell der frühere Haupteingang. Die Hauptgrotte hat die Maße von etwa 11,0 m x 3,5 m mit einer Raumhöhe von etwa 2,5 m. Die sich anschließende Nebengrotte hat die gleiche Raumhöhe, misst im Grundriss 2,0 m x 5,0 m. Ein Rundbogenfenster spendet Licht.
Eine Vertiefung im Boden rechts unterhalb dieses Fensters führt in Form einer Röhre angeblich mehrere Meter nach unten bis zum sog. Sargfelsen.
Eine auffallende Bodenvertiefung vor der Rückwand der Hauptgrotte mit einem Durchmesser von etwa 1,25 m kann in seiner ursprünglichen Funktion noch nicht überzeugend gedeutet werden.
Im Inneren der Hauptgrotte ist zwischen Haupteingang und Rundbogenportal eine heute schwer zu lesende Inschrift aus dem Jahr 1115 angebracht:

ANNO AB INC. DNI. MCXV IIII KI. [...] / DEDIC[A]ZUM EST HOC AL[TARE A VENERABILI] HENRICO
("Im JAhre der Menschwerdung des Herrn 1115 an den vierten Kalenden des [...] wurde dieser Altar durch den ehrwürdigen Heinrich geweiht.")

Mit Heinricus ist offenbar der Paderborner Bischof Heinrich II. gemeint, dessen Amtszeit von 1084 bis 1127 währte.
Den dritten Raum des Grottensystems, die Kuppelgrotte, kann man sowohl über einen schmalen Treppengang von der Hauptgrotte aus als auch über einen eigenen, schmalen Zugang , der sich in links vom oben schon ausführlich beschriebenen Kreuzabnahmerelief befindet, erreichen. Sie unterscheidet sich von ihrem Erscheinungsbild deutlich von der Haupt- und Nebengrotte. Der relativ enge Raum weitet sich nach oben zur kuppelförmigen Decke und vermittelt einen höhlenartigen Charakter.
Ein schmaler Schacht, der sich rechts vom Haupteingang zur Kuppelgrotte befindet, wird zumeist als Lichschacht gedeutet. Der nischenförmige, in den Fels gearbeitete Zugang von Außen befindet sich links vom Kreuzabnahmerelief. Links dieses Eingangs befindet sich ein weiteres Relief. Es handelt sich um eine stark verwitterte , stehende Figur, die sich nach rechts wendet. In der linken Hand scheint die Figur eine Schärpe zu halten, während sie mit der rechten Hand einen Schlüssel umfasst. Wegen dieses Attribut dürfte es sich bei der Figur wahrscheinlich um Petrus handeln.

Das Arkosolgrab
Unterhalb der Nebengrotte, am Rand des im 19. Jahrhundert angelegten Sees, befindet sich ein großer bearbeiteter Felsblock (Sargstein). Hier wurde eine bogenförmige Nische mit einem offenen Steinsarkhophag aus dem Felsblock herausgearbeitet. Dieser schon seit der Antike bekannte, aber auch im Mittelalter angelegte Grabtypus wird Arkosolgrab (Nischengrab) genannt. Möglicherweise handelt es sich bei dieser Anlage um eine Nachbildung des Grabes Christi. Auf dessen Oberseite befindet sich eine über eine unregelmäßige Treppe erreichbare Standfläche, deren Funktion ungeklärt ist.

Das Plateau und die Höhenkammer
Der Gipfel von Fels Ia ist zu einem Plateau gestaltet worden und über einen Treppenaufgang, der zwischen dem Turmfels und dem Grottenfelsen beginnt, zu erreichen. Der Name Turmfelsen für den Felsen II findet seine Erklärung in dessen turmartigem Erscheinungsbild. Im Bereich seiner Spitze ist ein nahezu rechteckiger Raum, die sog. Höhenkammer, herausgearbeitet worden. Diese ist über eine Treppe in Fels III und im oberen Bereich über eine geschwungene Holzbrücke, die die Verbindung zwischen den Felsen II und III herstellt, zu erreichen. Deutlich sichtbar sind größere Abbruchflächen, die auf den Absturz von Felsteilen zurückzuführen sind. Die Höhenkammer erhielt villeicht in einer zweiten Bauphase eine Holzwand auf der Südostseite sowie eine Holzdecke. Diese Holzeinbauten sind heute zwar nicht mehr vorhanden, doch sind noch einige Einlasslöcher für die Balken zu sehen. Auf der Ostseite der Höhenkammer ist eine aufwendige Apsis in den Fels gearbeitet worden. Diese Apsis wurde mit einem Rundfenster sowie einem Altar versehen.
Auf der Westseite befindet sich eine von Dreiviertelsäulen gefasste Nische. Die Nordseite des Raumes ist durch Pilaster sowie Rundbogenfenster gegliedert. An der als Säule gestalteten Eckkante der Nordwestwand sieht man im unteren Teil das Gesicht eines bärtigen Mannes. Es stammt wohl aus der Zeit der Renaissance oder des Barock. Daneben gibt es mehrere Hinweise auf ehemalige Treppenanlagen, wie die Stufen, die sich außen an die Rundbogennische anschließen und ehemals weiter nach oben führten.
Auf der Spitze von Fels II sind im Südwesten Reste einer weiteren Kammer vorhanden. Daneben findet man Teile von Treppenanlagen, die sich nicht mehr komplett rekonstruieren lassen.
Fels IV, der aufgrund eines ursprünglich lose aufliegenden, heute aber befestigten Steinbrockens auf seiner Spitze unter der Bezeichnung Wackelsteinfels bekannt ist, hat keine Einbauten. In seinem unteren Bereich wurde ein Wappen der lippischen Grafen angebracht.

Der Name
Der Name "Externsteine" hat set dem 16. Jahrhundert zu zahlreichen Spekulationen über seine Bedeutung geführt. In einer Urkunde des 12. Jahrhunderts wird er in der Schreibweise "Egesterenstein" zum ersten Mal erwähnt. Dies veranlasste den Gelehrten Johann Piederit im 17. Jahrhundert, den Namen von der mittelniederdeutschen Bezeichnung "Egester" für Elster abzuleiten und in den Externsteinen den Elsterfelsen zu sehen.
Neuere sprachwissenschaftliche Forschungen machen jedoch eine andere Erklärung wahrscheinlicher. Zurückgehend auf die germanische Sprachwurzel "ag-" für "scharf, kantig und spitz" dürfte das zerklüftete Erscheinungsbild der Steine für die Namensgebung verantwortlich sein. In der mittelniederdeutschen Sprache wurde der Landschaftsbegriff "Egge" für langgestreckte Hügelkämme und Felsgrate verwendet und findet sich bis heute in der Gebirgsbezeichnung "Eggegebirge", welches sich südöstlich an den Teutoburger Wald anschließt. Auch die alte Bezeichnung für den Teutoburger Wald "Osning" (="Osnegge"), führt diesen Namen. Somit fügt sich der Name der Externsteine in seiner Bedeutung zwanglos in sein landschaftliches Umfeld ein.

Geschichte der Externsteine
Aufgrund ihrer beeindruckenden Erscheinung im Gelände erscheint es sehr wahrscheinlich, dass die Externsteine im Laufe der Menschheitsgeschichte immer wieder bewusst aufgesucht worden sind. Doch setzt dies voraus, dass die jeweiligen Kulturen entweder - so wie wir heute - durch romantische Empfindungen oder aber durch religiöse Ehrfurcht oder rein praktische Erwägungen geleitet wurden. Aufgrund fehlender schriftlicher Überlieferungen können wir dies allerdings erst seit dem Mittelalter nachvollziehen. Darüber hinaus ist zu bedenken, dass die Steine nicht immer so wie heute von jeglichem Bewuchs befreit waren und ihre volle Wirkung entfalten konnten. Insofern ist eine kontinuierliche Nutzung der Externsteine durch Menschen nicht zwingend vorauszusetzen. Allein archäologische Funde liefern uns derzeit für die vorgeschichtlichen Epochen verlässliche Hinweise auf menschliche Anwesenheit.

Zufluchtsstätte in der Altsteinzeit
Die frühesten Belege menschlicher Anwesenheit stammen aus der späten Altsteinzeit (ca. 10700 - 9600 v. Chr.). An einem Überhang des Felsens 8, heute etwas abseits im Wald gelegen, fanden sich charakteristische Steingeräte (Mikrolithen) der sog. Ahrensburger Kultur wie Stielspitzen, kleine  Pfeilspitzen, Stichel, retuschierte Klingen und Kratzer aus Feuerstein. Neben diesen Funden konnten auch Feuerstellen nachgewiesen werden.
Die Menschen desr Ahrensburger Kultur waren als Jäger und Sammler auf die Rentierjagd spezialisiert und benutzten dazu bereits den Bogen als Jagdwaffe. Als Nomaden kannten Sie keine festen Behausungen, sondern nutzten natürliche Überdachungen wie die Felsüberhänge an den Externsteinen als Wetterschutz.

Raststation und christliche Kultstätte im Mittelalter
Erst Jahrtausende später erhalten wir neue Nachrichten über die Nutzung der Externsteine durch den Menschen. Eine Urkunde des Abtes Bernhard, der beiden Klöstern Werden bei Essen und Helmstedt, aus der Zeit um 1129 erwähnt die Ernennung des Dienstmannes Heinrich zum Meier eines Besitz der Klöster befindlichen Haupthofes in "Holzhausen oder Egesterenstein". Dort hat der Abt auf seiner Durchreise von Werden nach Helmstedt und umgekehrt zu beherbergen, ebenfalls dessen Boten, er muss die Gebäude und anderen Einrichtungen instand halten sowei gegebenenfalls für den Unterhalt eines Mönches, der im Auftrage des Abtes Messen abhält, sorgen. Die erwähnten Einrichtungen (Aliae culturae) könnten sich auf die Anlagen an den Externsteinen beziehen. Dementsprechend liegt die Vermutung nahe, die Messen seine ebendort durchgeführt worden und somit seien die Externsteine zum damiligen Zeitpunkt im Besitz der Äbte von Wrden und Helmstedt gewesen. In jedem Fall wurde der Hof bei den Externsteinen als Raststation der Äbte genutzt.
Wie unklar die historischen Abläufe und Besitzverhältnisse an den Externsteinen noch sind, zeigt eine weitere Urkunde, die aus dem Jahr 1093 stammen soll, aber lediglich zwei Fassungen von 1374 und 1380 erhalten sind. Darin wird berichtet, dass der Abt des Paderborner Klosters Abdinghof einen Hof in Holzhausen sowie den "Agisterstein" einschließlich dem ihn umgebenden Wald bis Horn von der sächsischen Adeligen Ida erworben habe. Diese Aussagn gelten als glaubhaft, weil das Kloster Abdinghof noch im 16. Jahrhundert einen Hof in Holzhausen besaß. In diesem Kontext kann vielleicht auch die Weihinschrift des Paderborner Bischofs Heinrich II. (1084-1127) aus dem Jahre 1115 in der Hauptgrotte gesehen werden, in der von einer Altarweihe berichtet wird. Der Historiker Linde zieht in Erwägung, dass das Problem des scheinbaren Doppelbesitzes insofern aufzulösen sein könnte, als die Äbte von Abdinghof ihre Eigentumsrechte an den Externstenen niemals geltend gemacht haben bzw. dass sich die Besitzrechte tatsächlich nicht unmittelbar auf die Steine bezogen haben. In jedem Fall gingen in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts die Externsteine zusammen mit anderen Gütern in Horn und Holzhausen aus dem Besitz der Äbte von Werden und Helmstedt in den der Edelherren zur Lippe über.
Ab dem Jahr 1366 ist das kirchliche Patronat Abdinghofs über die Kapelle an den Externsteinen belegt, an dem Sie bis ins 17. Jahrhundert festhielten. Unter diesem Patronat ist laut einiger Urkunden eine Einsiedelei (inclusorium/reclusorium) an den Externsteinen angesiedelt. Allein Johannes von Waddenhausen und Jakob sind um 1385 bzw. 1469 als Erimiten namentlich bekannt. Eine dem Heiligen Kreuz geweihte Kapelle gehörte zu dieser Einrichtung. In diesem Zusammenhang wird in einer Urkunde von 1385 auch von einem "Oberen Altar" (superius altare) gesprochen, hinter welchem sich die sog. Höhenkammer verbergen könnte.
Die Einsiedelei hatte sich im Laufe der Zeit offensichtlich zu einem Räubernest entwickelt und wurde im frühen 16. Jahrhundert von den Edelherren zur Lippe aufgelöst. Dies ging zeitlich etwa mit der Einführung der Reformation in Lippe 1538 einher und brachte das religiöse Leben an den Externsteinen zum Erliegen.
Neben den Schriftlichen Quellen stehen weitere zur Verfügung, die die Geschichte an den Steinen weiter erhellen können. Ausgrabungen in den 1930er Jahren haben Fundmaterial wie Keramikscherben und Metallgegenstände des 10./11. bis 15. Jahrhunderts zutage gebracht, die die Nutzung der Extersteinen in diesem Zeitraum belegen und darüber hinaus eine intensive Nutzung erst seit dieser Zeit wahrscheinlich machen. Daneben kann eine heute nicht mehr erhaltene Trockenmauer direkt östlich von Felsen II mit den in den mittelalterlichen Urkunden erwähnten Gebäuden in Verbindung gebracht werden. Weitere Befunde sind zwar im Foto erhalten, können aber wegen der im Zweiten Weltkrieg verbrannten Dokumentation nicht mehr ausgewertet werden.
Diese Einschätzung wird durch die naturwissenschaftlichen Thermoluminiszenz-Untersuchungen in den Grotten im Wesentlichen unterstützt. Anhand dieser Untersuchungsmethode kann festgestellt werden, wann die letzten großen Feuer auf die Innenwände eingewirkt haben und damit, wo der späteste Zeitpunkt ihrer Entstehung liegt. Sie besagen also nichts über den frühesten möglichen Entstehungszeitraum. Die Daten aus der Haupt- und Nebengrotte weisen ins 14. und 15. Jahrhundert, eine vielleicht sogar ins 11./12. Jahrhundert und können, da die Steinproben bodennah entnommen worden sind, möglicherweise mit Herdstellen der Bewohner in Verbindung gebracht werden. Dagegen liefern die Proben aus der Kuppelgrotte frühere Dazierungen, die in eine frühere Zeit als die mittelalterlichen Urkunden weisen. Danach brannten die letzten großen Feuer hier schon im 10. Jahrhundert. Eine mit großen Unsicherheiten behaftete Probe weist möglicherweise schon ins 8. Jahrhundert, doch kann diese Frühdatierung bis zu einer Überprüfung für verlässliche Ergebnisse nicht herangezogen werden.
Die Baulichkeiten an den Externsteinen bieten weitere Einblicke in das dortige mittelalterliche Leben. Fügen sich die Grotten als Behausungen der in den Schriftquellen genannten Mönche und Eremiten und die Höhenkammer als "Obere Kapelle" zwanglos in das dort vermittelte Bild einer Raststation bzw. einer Einsiedelei ein, so stehen das gewaltige Kreuzabnahme-Relief und das fremd anmutende Arkosolgrab in einem merkwürdigen Gegensatz zu den überschaubaren schriftlichen Überlieferungen.
Schon Alois Fuchs wies 1934 darauf hin, dass sich das qualitativ hochwertige Relief, das Arkosolgrab und die Grotten inhaltlich zu einer Nachbildung der Heiliggrab-Anlagen in Jerusalem zusammenfügen lassen. Demnach illustrieren das Relief die Kreuzabnahme, das Arkosolgrab die Grablege Christi und die Grotten schließlich den Wiederauferstehungsort des Kreuzes. Derartige Heiliggrab-Anlagen boten im Mittelalter zahlreichen Pilgern, denen es nicht möglich war, ins Heilige Land zu ziehen, die Möglichkeit, die in religiöser Hinsicht bedeutenden Stätten des Todes und der Wiederauferstehung Christi zu besuchen.
Der Bau dieser vielleicht sukzessive entstandenen und im 12. Jahrhundert vollendeten Anlage bedeutete in jedem Fall einen hohen organisatorischen und finanziellen Aufwand und zielte neben der Befriedigung religiöser Bedürfnisse sicher auch auf Repräsntation ihrer Auftraggeber ab. All dieses spiegelt sich nicht in zeitgenössischen schriftlichen Quellen wieder, so dass die Frage ob und warum etwa die Äbte von Werden und Helmstedt gerade eine solche Anlage errichtet haben sollen, derzeit nicht beantwortet werden können. Ebenso unklar bleibt, ob jemand anderes hinter diesem Bauvorhaben stand und ob die Anlage jemals als vollendet galt und entsprechend als Pilgerstätte genutzt wurde.

Das gräfliche Jagdschloss
Nachdem das kirchliche Leben an den Externsteinen zu Beginn des 16. Jahrhunderts zum Erliegen kam, wurden die Anlagen weltlich genutzt. So lebte um 1592 der gräfliche Holzförster in den Grotten. Im Laufe des 17. Jahrhunderts erweckten die Steine dann zunehmend das Interesse der Grafen zur Lippe. Nach derzeitigem Forschungsstand gestaltet Graf Hermann Adolph die Anlagen um 1660 für die Zwecke eines Jagd- und Lustschlosses um. An die Ostseite der Steine anlehnend, errichtete er eine Festungsanlage mit zwei niedrigen Rundtürmen, die eine Toranlage flankierten. Aufgrund der geringen Größe und der durch Ausgrabungen zu schmalen MAuern kann es sich dabei aber nur um einen rein repräsentativen Bau ohne echte fortifikatorische Funktion gehandelt haben. Ergänzt wurde das Ensemble durch einen Treppenturm an Felsen I, der über eine mit Balustraden versehene Freitreppe auf eine gestaltete Aussichtsplattform auf der Spitze des Felsens führte. Die früheste Darstellung der Externsteine in einem Stich von Elias van Lennep aus dem Jahre 1663 gibt genau diesen Zustand wieder.
Wahrscheinlich zu dieser Anlage gehörig waren ein heute auf der Ostseite von Felsen IV eingelassenes Wappen der lippischen Grafen sowie ein bärtig gestaltetes Reliefköpfchen im Bereich der Höhenkammer.

Ein Touristenziel im Teutoburger Wald
Im Laufe des 18. und insbesondere ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die Externsteine zu einem beliebten Ausflugsziel. Besonders aus den nahe gelegenen Kurbädern wie Bad Driburg, Bad Pyrmont und Bad Meinberg besuchten zahlreiche gebildete Besucher den Ort, getrieben von Naturromantik und früher Nationalbegeisterung, die sich seit den Äußerungen verschiedener Schriftsteller gerade auch an den Externsteinen manifestierten.
Möglicherweise von gleichen Gedanken getragen, entschloss sich Fürstin Pauline zur Lippe, die Externsteine erneut umzugestalten. Das gräfliche Jagdschloss mit Treppenturm wurde abgetragen, und vermutlich wurden auch einige der Treppen an den Felsen I, II und III gebaut oder neugestaltet, um zur Plattform auf
Felsen I zu gelangen. Ebenso verband nun eine Brücke die Felsen II und III, um den Besuchern den Zugang zur Höhenkammer zu ermöglichen. Die Wiembecke wurde aufgestaut, so dass ein See das neue, romantische Erscheinungsbild der Externsteine abrundete. Da die Fürstin nach napoleonischem Vorbild Chauseen in Lippe anlegen ließ, verlegte sie 1813 auch den wichtigen Überlandweg, einen Vorgänger der heutigen Bundesstraße 1, auf eine neu aufgeschüttete Trasse zwischen den Felsen III und IV hindurch.
Die durch die Straßenverlegung nunmehr gut erreihbare Touristenattraktion wurde als Ausglugsziel immer beliebter und in der Folge etablierten sich mehrer Hotels, die Fachwerkbauten aus dem 17. Jahrhundert ersetzten, an den Steinen. Im Jahre 1912 wurde gar eine Straßenbahnlinie der Paderborner Elektrizitätswerke und Straßenbahn AG (PESAG), die von Detmold über Horn nach Paderborn führte, durch die Externsteine hindurch geführt. An den Steinen wurde eine Haltestelle eingerichtet.

Deutungen der Externsteine
Aufgrund der bizarren Formen haben die Externsteine zumindest seit dem 16. Jahrhundert Menschen angeregt, nach ihrer Geschichte zu forschen. Die frühesten überlieferten Äußerungen stammen aus dem Jahr 1564 von Hermann Hamelmann, der als Theologe in Lemgo wirkte. Er berichtete davon, dass er gelesen habe, an den Externsteinen habe ein heidnisches Heiligtum bestanden, welches von Karl dem Großen Ende des 8. Jahrhunderts in eine christliche Kultstätte umgewandelt worden sei. Diese Vermutung, ein heidnisches Heiligtum habe an den Externsteinen bestanden, bildete fortan einen wichtigen Kerngedanken bei zahlreichen weiteren Interpretationsansätzen und beherrscht bis heute die Vorstellungswelt vieler Menschen. Zuweisungen an germanische Gottheiten wie Odin oder einem allgemeinen Gestirnsdienst haten im 19. Jahrhundert Konjunktur.
Diese Deutungen wurden vor dem Hintergrund eines sich stark entwickelnden Nationalismus in Deutschland vorgenoimmen, Die antiken Germanen wurden zu den direkten Vorfahren der Deutschen erklärt, um durch eine möglichst lange kulturelle Kontinuität und im Wettstreit mit anderen europäischen Nationen die deutsche Nation bedeutender erscheinen zu lassen. Da darüber hinaus auch die Schlacht im Teutoburger Wald des Jahres 9 n. Chr. im lippischen lokalisiert  wurde und von 1838 bis 1875 das an dieses Ereignis erinnernde Hermannsdenkmal bei Detmold errichtet wurde, avancierte das Weserbergland in der Vorstellung vieler Menschen zu einem "germanischen Kernland".
Zur Klärung historischer Fragen wurden an den Externsteinen auch Ausgrabungen durchgeführt. 1881 suchte der Horner Kaufmann Gustav Schierenberg vergeblich nach Spuren der Schlacht im Teutoburger Wald. Sieben Jahre später forschte der Westfälische Altertumsverein, Abteilung Paderborn, unter der Leitung von Konrad Mertens nach der Nachbildung der Heiligen Stätten von Jerusalem im Umfeld der Externsteine.

Die völkische Instrumentalisierung
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in besonders national gesinnten Kreisen eine extreme Form des Nationalismus, die durch eine überbordende Vaterlandsliebe, Antisemitismus, Demokratiefeindlichkeit und eine Verklärung der "germanischen Vorzeit" charakterisiert war. Organisiert in verschiedenen Verbänden wurden deren Anhänger als "völkisch" bezeichnet. Insbesondere nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg fand diese extreme Denkwiese viele Anhänger. Die Externsteine spielten als Kristallisationspunkt vieler Sehnsüchte hierbei erneut eine wichtige Rolle. Der nach Detmold übergesiedelte ehemalige Pastor Wilhelm Teudt entstammte diesem Milieu und vertrat seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre öffentlichkeitswirksam die Ansicht, die Externsteine seien in vorchristlicher Zeit ein zentrales germanisches Observatorium und Gestirnsheiligtum gewesen. Die Gründung der "Vereinigung der Freunde germanischer Vorgeschichte" war für Teudt ein wichtiges Instrument, seine von den Fachwissenschaften nicht anerkannten Theorien publik zu machen. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1933 eröffnete ihm weitere Spielräume, Einfluss auf die Meinungsbildung bezüglich der Interpretation der Externsteine zu nehmen. 1934 gründet die Lippische Landesregierung die Externstein-Stiftung, in deren Vorstand bald der "Reichsführer SS" Heinrich Himmler berufen wurde. Die Externsteine wurden somit zur Bühne für politische Größen und Organisationen des NS-Regimes wie z.B. der "Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe".
Um den im Grunde haltlosen Theorien zu einem zentralen germanischen Heiligtum an den Externsteinen ein wissenschaftliches Fundament zu geben, wurden in den Jahren 1934/35 erneut archäologische Ausgrabungen von dem Münsteraner Geologen und Archäologen Julius Andree durchgeführt. Hierfür und auch für eine geplante Umgestaltung des Externsteingeländes wurden der Stauteich abgelassen. Es wurden Schnitte und Flächen rund um den Felsen geöffnet und untersucht. Die erwarteten Ergebnisse und Zeugnisse für eine germanische Kultstätte an den Externsteinen wurde zwar nicht gefunden, doch wurden Elemente wie z.B. der "germanische Steintisch" oder ein "Kultschacht" konstruiert. Die ernüchternden ersten Ergebnisse der Fundauswertung wurden der Öffentlichkeit verheimlicht.
Für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine grundlegende Umgestaltung des Geländes geplant. Bis dahin frequentierten zahlreiche organisierte Reisegruppen die Externsteine und manifestierten bei Vielen die Vorstellung von einem germanischen Heiligtum.

Die Externsteine heute
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die einseitige völkische Vereinnahmung der Externsteine unterbunden, irreführende Konstruktionen wurden abgebaut und und der Teich erneut aufgestaut. Aufgrund der negativen Erfahrungen in der Zeit des NS-Regimes wurden wissenschaftliche Diskurse über die Geschichte und Funktion der Externsteine lange Zeit vermieden. Dies bedeutete aber auch, dass die Theorien etwa zur Existenz eines germanischen Heiligtums unreflektiert im Raume standen und weiterentwickelt wurden. Eine Folge dieser Entwicklung ist, dass sich heute anlässlich der Tag- und Nachtgleiche sowie der Sonnenwendzeiten zahlreiche Menschen versammeln, die von esoterischen Gedanken erfüllt und dort auf Sinnsuche sind.
Die Externsteine sind bis heute Ziel zahlreicher Touristen. Der Landschaftsverband Lippe als Sachwalter der Externsteine setzt nun neu Akzente, indem er im Jahre 2010 in Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Externsteine e. V. und gefördert durch die NRW Stiftung sowie die Bezirksregierung Detmold ein Informationszentrum eingerichtet hat, in welchem sich die Besucher ausführlich über die Geschichte und Naturgeschichte der Externsteine informieren können.
Bereits seit 1926 ist die Umgebung Teil eines Naturschutzgebietes, seit 2005 ist rechtskräftig ein FFH-Gebiet eingerichtet worden, um die vielfältige Flora und Fauna zu schützen. Im Mai 2006 wurde schließlich die geologische Bedeutung der Externsteine durch die Anerkennung als "Nationales Geotop" durch die Akademie für Geowissenschaften in Hannover herausgestellt.


Quelle: Lippische Kulturlandschaften, "Externsteine", Heft 18
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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