KF Nr. 895 (1968) - Haxter-Chronik

Haxter
Chronik
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Geschichte
Geschichte
Im Jahre 868 gründete der dritte Bischof von Paderborn, Liuthard, in Heerse am Netheborn, 20km südöstlich von Paderborn ein "Hochadliges Kaiserliches freiweltliches Damenstift" und bestimmte seine Schwester Walburga zur ersten Äbtissin. Das neue Stift sollte die Christianisierung der Sachsen fördern und den Töchtern der adligen Häuser eine Lebensaufgabe bieten. Auf dem deutschen Nationalkonzil zu Worms wurde am 16. Mai 868 in Anwesenheit des Königs, Ludwig des Deutschen, diese Gründung bewilligt und bestätigt in einer Urkunde, die von 27 Bischöfen und Äbten unterschrieben ist.
In einer am 17. Juni 871 zu Tribur ausgestellten Urkunde nimmt König Ludwig der Deutsche die Neugründung unter seinen Schutz. Papst Stephan V. bestätigte am 23. Mai 891 das neue Stift. Dieses Schreiben ist die einzige Papst-Papyrus-Urkunde in Deutschland.
Die Auffassung, Stift sei ein anderer Name für Kloster, ist irrig. Obwohl man in einem Stift zunächst noch einen gemeinsamen Speise- und Schlafsaal kannte, lebte man schon vom 13.-14. Jahrhundert an in Einzelhäusern. Nur in der Kirche trug man ein weißes Kleid, einen rötlichen pelzverbrämten Mantel und ein weißes golddurchwirkte Kopftuch. Draußen kleideten sich die Stiftsdamen in standesgemäßer weltlicher Tracht. Bei Aufgaben ihrer Pfründe durften sie das STift verlassen und heiraten. Die Merkmale eines Stiftes im Gegensatz zu einem Kloster sind: Keine Gelübde, doch besondere Verpflichtung zu christlichem Leben, Privatvermögen, eigene Wohnung, nur in der Kirche besondere Kleidung.
Die Anzahl der Stiftsdamen oder Kanonissen war in den einzelnen Jahrhunderten verschieden. Zuletzt waren es zwölf, darunter die Prälaturen: Äbtissin, Pröbstin und Dechantin. Adlige Geburt war stets Voraussetzung für die Aufnahme in das Stift. 1603 wurde der Nachweis von 16 adligen Ahnen festgesetzt. Zum Sift gehörten auch eine Reihe von Gesitlichen, bis zu 20 Herren, von denen aber nur 2 Kanoniker mit Sitz und Stimme im Kapitel waren.
Im Jahr 887 wurden die Gebeine der heiligen Märtyrer-Jungfrau Saturnina von Sains-les-Marqion in der Diözese Arras nach Heerse gebracht. Sie wurde bald Patronin der Stiftskirche, die vorher der hl. Jungfrau Maria geweiht war. Da sich die Stiftsdamen noch um viele andere, sehr alte Reliquien bemühte, besitzt die Stiftkirche heute einen der ältesten und wertvollsten Reliquienschätze Deutschlands. Die Gebeine dieser Heiligen waren in Seidenstücke gehüllt, deren ältestes aus dem 6. Jahrhunderts stammt. Im  Schrein der hl. Saturnina befand sich ein Wachssiegelabdruck des Gründebischofs Liuthard, weshalb sich die Stiftskirche rühmen darf, den ältesetn Bischofssiegelabdruck Deutschlands zu besitzen. Welche Bedeutung das Stift im Laufe der Zeit erlangte, geht daraus hervor, daß das Fest seiner Patronin Saturnina, der 20. Mai, im ganzen Hochstift Paderbornals gebotener Feiertag begangen wurde.
Als sich im Mittelalter mehrere Stiftspersonen wegen des geringen Pfründeeinkommens weigerten, am Gottesdienst teilzunehmen, wurde am 22. Mai 1352 "de Brodbreef", der Brotbrief erlassen, der bestimmte, daß bei Teilnahme am Gottesdienst täglich Brote ausgeteilt würden, der Äbtissin zwei, jeder anderen Stiftsperson je eins.
Viele Jahrhunderte hindurch wurde das Stift ausnahmslos nur Heerse genannt, während die umliegende Ortschaft schon bald die Bezeichnung Neuenheerse
In einer am 17. Juni 871 zu Tribur ausgestellten Urkunde nimmt König Ludwig der Deutsche die Neugründung unter seinen Schutz. Papst Stephan V. bestätigte am 23. Mai 891 das neue Stift. Dieses Schreiben ist die einzige Papst-Papyrus-Urkunde in Deutschland.
Die Auffassung, Stift sei ein anderer Name für Kloster, ist irrig. Obwohl man in einem Stift zunächst noch einen gemeinsamen Speise- und Schlafsaal kannte, lebte man schon vom 13.-14. Jahrhundert an in Einzelhäusern. Nur in der Kirche trug man ein weißes Kleid, einen rötlichen pelzverbrämten Mantel und ein weißes golddurchwirkte Kopftuch. Draußen kleideten sich die Stiftsdamen in standesgemäßer weltlicher Tracht. Bei Aufgaben ihrer Pfründe durften sie das STift verlassen und heiraten. Die Merkmale eines Stiftes im Gegensatz zu einem Kloster sind: Keine Gelübde, doch besondere Verpflichtung zu christlichem Leben, Privatvermögen, eigene Wohnung, nur in der Kirche besondere Kleidung.
Die Anzahl der Stiftsdamen oder Kanonissen war in den einzelnen Jahrhunderten verschieden. Zuletzt waren es zwölf, darunter die Prälaturen: Äbtissin, Pröbstin und Dechantin. Adlige Geburt war stets Voraussetzung für die Aufnahme in das Stift. 1603 wurde der Nachweis von 16 adligen Ahnen festgesetzt. Zum Sift gehörten auch eine Reihe von Gesitlichen, bis zu 20 Herren, von denen aber nur 2 Kanoniker mit Sitz und Stimme im Kapitel waren.
Im Jahr 887 wurden die Gebeine der heiligen Märtyrer-Jungfrau Saturnina von Sains-les-Marqion in der Diözese Arras nach Heerse gebracht. Sie wurde bald Patronin der Stiftskirche, die vorher der hl. Jungfrau Maria geweiht war. Da sich die Stiftsdamen noch um viele andere, sehr alte Reliquien bemühte, besitzt die Stiftkirche heute einen der ältesten und wertvollsten Reliquienschätze Deutschlands. Die Gebeine dieser Heiligen waren in Seidenstücke gehüllt, deren ältestes aus dem 6. Jahrhunderts stammt. Im  Schrein der hl. Saturnina befand sich ein Wachssiegelabdruck des Gründebischofs Liuthard, weshalb sich die Stiftskirche rühmen darf, den ältesetn Bischofssiegelabdruck Deutschlands zu besitzen. Welche Bedeutung das Stift im Laufe der Zeit erlangte, geht daraus hervor, daß das Fest seiner Patronin Saturnina, der 20. Mai, im ganzen Hochstift Paderbornals gebotener Feiertag begangen wurde.
Als sich im Mittelalter mehrere Stiftspersonen wegen des geringen Pfründeeinkommens weigerten, am Gottesdienst teilzunehmen, wurde am 22. Mai 1352 "de Brodbreef", der Brotbrief erlassen, der bestimmte, daß bei Teilnahme am Gottesdienst täglich Brote ausgeteilt würden, der Äbtissin zwei, jeder anderen Stiftsperson je eins.
Viele Jahrhunderte hindurch wurde das Stift ausnahmslos nur Heerse genannt, während die umliegende Ortschaft schon bald die Bezeichnung Neuenheerse erhielt, im Gegensatz zu Altenheerse. Nur ganz selten wird in späteren Jahrhunderten auch das Stift Neuenheerse genannt.
Durch den Reichsdeputations-Hauptschluß vom 23. Februar 1803 kam das Hochstift Paderborn unter die Herrschaft Preußens. Das Stift Heerse wurde nicht aufgelöst, sondern durch Verordnung des Königs vom 3. Dezember 1803 in eine "Versorgungsanstalt für bedürftige adlige weibeliche Personen" umgewandelt. Durch ein Dekret des Königs Jerome von Westfalen vom 1. Dezember 1810 wurde das Stift ganz aufgehoben und seine Güter wurden verkauft. Die Stiftskirche, im Volksmund liebevoll "Eggedom" genannt, blieb Pfarrkirche.

Baugeschichte
Vielleicht bestand schon bei der Stiftgründung 868 in Heerse eine kleine Kirche. Sichere Narichten sind nicht überliefert. Einen Hinweis kann uns das "Necrologium Herisiense" geben, ein aus 67 Pergamentblättern bestehendes Heiligen- und Totenverzeichnis, das in der Mitte des 14. Jh. verfaßt wurde, aber auf ältere Vorlagen zurückgeht und Zusätze bis tief in das 8. Jh. aufweist. Darin wird erwähnt:
5. XI.:    Dedicato basilicae veteris sanctae Mariae - Weihe der alten Kirche der heiligen Maria.
31. VII.:  Dedicatio ecclesiae senoris - Weihe der älteren Kirche.
9. IX.:   Dedicatio Monasterii Herisiensis et Ded. Ecclesiae - Weihe des Stiftes Heerse und Weihe der Kirche.

Aus diesen Eintragungen und aus anderen Überlieferungen, vor allem aus den vorhandenen Bauteilen, dürfen wir auf 4 Bauperioden schließen:
1) Basilica vetus - Alte karolingische Pfeilerbasilika von 868
2) Ecclesia senior - Ältere, romanische, flachgedeckte Säulenbasilika von 1107-1131 erbaut
3) Ecclesia junior - Jüngere, nach einem Brande 1165 bis zum Jahre 1190 erneuerte romanische Säulenbasilika, teils gewölbt
4) Ecclesia nova - Neue, zur gotischen Halle um das Jahr 1350 umgebaute Kirche
Von der Karolingischen Anlage sind vielleicht Reste oder Fundamente in der heutigen Krypta erhalten. Ausgrabungen könnten diese Annahme bestätigen. Im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts wurde eine große, flachgedeckte Säulenbasilika mit geradem Choranschloß gebaut. Unter dem Chor und der Querschiffsvierung befindet sich eine dreischiffige Krypta, die im Westen in einer Confessio (Grabanlage) endte. Im Westen erhebt sich ein im Mittelbau dreigeschossiges Westwerk, von zwei Treppentürmen flankiert. Diese Anlage brannte bereits 1165 durch Blitzschlag ab. Noch heute künden im nördlichen Seitenschiff cie vom Brand geröteten Arkarden von diesem Unglück.
In Jahren von 1165-1190 baute man die Kirche wieder aus, wölbte aber den Chorein und wandelte das Westwerk in eine Westturmanlage um, wobei man das durch den Brand schwerbeschädigte Westwerk vollständig einmauerte. Bei der Aufstellung der renovierten Orgel sind die schönen Säulen und Arkarden zur Kirche hin vom Putz freigelegt und sichtbar gemacht worden.
In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde das Langhaus mit Ausnahme des nördlichen Seitenschiffes zur Hallenkirche umgebaut. Dabei wurde das Querschiff eingewölbt. Die mächtigen, achteckigen Pfeiler sind von westfälischer Art.
Nachdem im Jahre 1797 der Blitz in das Turmdach einschlug und zündete, erhielt der Turm die barocke Haube mit der Laterne, wobei er um 6 Fuß erhöht wurde.
Von 1953-68 wurden große Renovierungsarbeiten an der Kirche ausgeführt. Nach einer Trockenlegung wurden spätere Zutaten entfernt, die Sandsteingliederungen von Putz und Farbe befreit und die alte Barockorgel restauriert, so daß die alte ehrwürdige Stiftskirche wieder in neuem Glanze erstrahlt.

Das Äussere
Das Mauerwerk der Kirche besteht aus Muschelkalkstein, durchsetzt mit Eggesandstein und ist Steinsichtig verputzt. Merkwürdig ist der Fachwerkgiebel an der Ostseite der Kirche. Auffallend sind die 43 Dachluken, die zur Belichtung und Belüftung das Dachbodens dienten, da dieser zur Ablagerung des Getreides genutzt wurde. Im Giebel des nördlichen Querschiffes ist eine große Luke und darüber ein Loch für den Hebebalken. Dort konnte man die Frucht hochziehen, die auf dem Dochboden gelagert wurde. Auch über dem nördlichen Seitenschiff war ein Kornboden, der 1888 abgebrochen wurde. Noch heute sieht man an der Westwand des nördlichen Querschiffes den alten Dachansatz.

Der Turm ist völlig schmucklos und hat an der Westseite weder Tür- nach Schallöffnungen. Er ist mit Schiefer gedeckt, wogegen das Kirchendach mit Sollingplatten belegt ist.
An den Außenseiten der Kirche sieht man noch die Spuren der kleinen romanischen Fenster. Am Strebepfeiler neben dem Südeingang ist eine Steintafel mit der Jahreszahl 1759, eine Sonnenuhr. An der anderen Seite dieses Einganges befinden sich Spuren einer alten rundbogigen Öffnung und ein vermauertes spitzbogiges Portal.
Die Kirche hat drei schöne, barocke Portale mit lateinischer Inschrift und Jahreszahlen - 1668, 1695, 1703.
Auf der Kirchhofmauer an der Nordseite des Chores ist der "Damensattel", ein aus Stein gehauener Sattel, der nur in Neuenheerse vorkommen dürfte. Bei der "Einfuhr" setzte der Stifts-Erbmarschall aus der Familie von Haxthausen die neue Äbtissin, die vom Unterdorf her angeritten kam, auf diesen Stein und so nahm die neue Herrin "Besitz" von ihrem Stift. Für diese Dienstleistung bekam der Herr von Haxthausen Pferd samt Sattel von der Äbtissin als Geschenk.
An der Ostseite des Chores liegt die Lambertikapelle. Oberhalb ihres Daches ist an der Kirchenwand ein Schrägdach, unter dem einstmals das noch erhaltene Totenglöcklein hing. Die Überlieferung berichtet, daß diese Glocke ehemals als Präsenzglocke gebraucht wurde. zu einer Zeit, da die Lambertikapelle noch einen Zugang zur Krypta hatte, mußte jede Stiftsdame beim Erscheinen zum Chorgebet ein Glockenzeichen geben, so daß die Äbtissin als letzte erscheinen konnte.
Über dem Nordeingang der Lambertikapelle sieht man das einzige Steinmetzzeichen der Kirche aus alter Zeit. Ein zweites, aber weit jüngeres, erblickt man über dem mittleren Sakristeifenster. Das sind die einzigen Zeichen dieser Art an der Stiftskirche.
Der Platzrings um die Lambertikapelle war Stiftsfriedhof. Vier Grabplatten, jetzt an der Ostwand des nördlichen Querschiffes und eine Grabstele, künden noch von dieser Zeit. Der heutige Denkmalsplatz an der Nordseite war Dorffriedhof und reichte ursprünglich bis zur Kirche. Esrt nach der Stiftsaufhebung wurde die Landstraße durch den Friedhof gelegt. Bei den Trockenlegungsarbeiten fand man über neben der Kirche noch Reste von alten Baumsärgen.
Auch das Kreuz an der Ostseite der Lambertikapelle ist ein Grabdenkmal, das sich zwei Pfarrer, die Gebrüder Tütel, setzen ließen. Im Sockel das Kreuzes ist eine Vertiefung, geschlossen durch eine Klappe mit transparenter Inschrift, hinter der eine Totenleuchte brennt.

Das Innere
Der Chor ist zweijochig; zunächst mit einer flachen Holzdecke versehen, wurde er nach dem Brande von 1165 mit Kreuzgratgewölben ausgestattet. Aus dieser Zeit stammen auch die Wandpfeiler, die bis auf die Fundamente der Krypta reichen und deren Kämpfer mit bemerkenswerten gedrehten Schnüren verziert sind. Am Wandpfeiler vor dem Eingang zur Sakristei befindet sich ein Gesimsstein mit einem Eckköpfchen, das den Kapitälköpfchen der Kapelle in Drüggelte ähnlich ist und aus derselben Zeit stammt. Es handelt sich um ein germanisches Motiv: Das Anlitz sollte den bösen Geistern den Eintritt verwehren.
Die Sakristei. Zwischen Chor und Querschiff im Südosten liegt ein zweigeschößiger Bau, der in Chorhöhe die Sakristei enthält und im Untergeschoß die Marienkapelle, früher Georgskapelle genannt. In beiden Räumen tragen zwei Säulen gurtlose Kreuzgewölbe. Dieser Bau stammt noch aus der ersten Bauperiode aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts.
Das Querschiff liegt im Nordteil zu ebener Erde, in der Vierung in Chorhöhe und im Südteil noch sechs Stufen höher. Der Nordarm konnte früher durch einen eigenen Eingang von außen betreten werden. Der dort stehende Martinialtar war in Stiftszeiten der Pfarraltar. In den Zwickeln des Gewölbes erblickt man kleine Köpfe. Im Südarm sind die Kreuzgewölbe mit Rippen versehen, während sie in der Vierung und im Nordarm gerade Scheitel zeigen. Nach dem Wiederaufbau vom Brandjahr 1165 nahm der Südarm den Stiftsdamenchor auf, im Volksmund "Fräuleinchor" genannt. Der Annenaltar an der Ostseite dieses Chores wurde wahrscheinlich 1870 abgebrochen und ist seitdem spurlos verschwunden. Zwei noch vorhandene Engelköpfe könnten Überreste dieses Altares sein. Im Süden sind noch zwei interessante Ornamente: Ein Gesims in der Südwestecke zeigt eine Fratze mit Blattwerk. Im unteren Gewände des östlichen Fensters ist ein bekrönter männlicher Kopf. Er könnte einen der "Quattuor coronati", der vier gekrönten Märtyrer, der Patrone der Steinmetzen, darstellen.
Da Langhaus ist dreischiffig, dreijochig mit Kreuzgratgewölben. Im Scheitel des Gewölbes über der Orgel erblicken wir noch Fragmente eines Löwen (Markuslöwen?), Reste der mittelalterlichen Bemalung der Kirche. Im nördlichen Seitenschiff ist noch ein Teil der alten Säulenbasilika aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts erhalten. Beschädigung und Rötung des Sandsteines sind Folgen des Brandes von 1165. Wahrscheinlich wegen der Bodenfeuchtigkeithat man bei jedem Umbau den Fußboden der Kirche höhergelegt, so daß die Säulen im Nordschiff jetzt 65cm tief unter dem Fußboden stehen. Die drei schweren Würfelkapitäle, die vom Mittelschiff aus noch sichtbar sind, hat man an dieser Seite mit bemerkenswerten Motiven verziert, wieman sie bei orientalischen Stoffmustern vorfindet. Bei dem Umbau im 14. Jahrhundert wurde leider die Säulen- und Arkardenreihe vernichtet, Mittelschiff und Südschiff wurden zur Hallenkirche umgestaltet und mächtige achteckige Pfeiler eingebaut. Diesen Teil der Kirche hat man bei der letzten Restaurierung teilweise in einer grünen Farbe gestrichen, wie man sie unter anderen Tünchen als erste vorfand. Als Beweisstück dafür hat man an der Ostseite das obersten Pfeilers Reste der ältesten Bemalung sichtbar gemacht.
Die Fenster haben gotisches Maßwerk, meistens erneuert. Ein Radfenster an der Nordseite der Kirche mit reichem Maßwerk ist bemerkenswert. Nur einige Fenster tragen noch  eine Verglasung aus dem 19. Jahrhundert, während alle anderen erst im letzten Jahrzehnt neu verglast wurden.
Das Westwerk wurde nach dem Brande von 1165 ausgemauert, durch gewaltige Bögen, 1,30m stark, im Innern verstärkt und zum Turm ausgebaut. In der Taufkapelle und zum Mittelschiff hin sind Säulen und Arkarden teilweise freigelegt, so daß man ein Bild von der ursprünglichen Größe und Schönheit dieser Anlage erhalten kann. Auch an der Südseite und im Turminnern blicken an manchen Stellen Säulen und Kapitäle der alten Westwerkanlage aus dem Mauerwerk hervor. Im ersten Geschoß soll nach der Überlieferung vor dem Brande von 1165 der Stiftsdamenchor gewesen sein, der dann in das südliche Querschiff verlegt wurde. Der Turm hat in den beiden obersten Stockwerken romanische Schallöffnungen, zweiteilig, deren mittlere vermauert sind. Der nördliche Seitenraum am Turm, heute Taufkapelle, ist auf die ursprüngliche Fußbodenhöhe gesenkt worden, wobei die Säulenbasis, die leider arg beschädigt ist, wieder sichtbar wurde.
Der nördliche Vorbau mit dem Haupteingang wird "Leichhaus" genannt, weil hier in früheren Zeiten die Leichen, die auf dem Friedhof nebenan ihre Ruhe fanden, niedergesetzt wurden.
Der Kapitelsaal unter dem Damenchor im südlichen Querschiff diente den Stiftsdamen als Versammlungsraum. Da man ihn beheizen konnte, wurde hier im Winter auch das Chorgebet verrichtet. Eigenartig ist die Mittelsäule mit Kanneluren und einem mit profilierten Kanneluren geschmückten Würfelkapitäl. Der in seiner Schlichtheit sehr eindrucksvolle Kapitelsaal enthält heute die Pfarrbücherei.
Die Marienkapelle neben dem  Kapitelsaal ist das Untergeschoß der Sakristei. Eine alte Inschrift, die neben der Tür aufgedeckt wurde, weist darauf hin, daß die Kapelle ursprünglich dem hl. Georg geweiht war. Ein baufreudiger Pfarrer, Everhard Wernekink, hat sie gegen Ende des 17. Jahrhunderts mit Stuckverzierungen - Perlenschnüren an den Graten der Gewölbe und Schlußsteinen - reich ausstatten lassen. Die Fenster wurden bedeutend vergrößert; nur ein kleines Fenster über dem Altar erinnert noch an die alte Form. Bei der Restaurierung entdeckte man unter den Tünchen späterer Zeiten eine Malerei aus derselben Zeit, die leicht ergänzt werden konnte.
Die Krypta gilt als die am besten erhaltene in Westfalen. Sie stammt aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts und birgt vielleicht noch ältere Teile. Ihre Bedeutung geht schon daraus hervor, daß im Necrologium Herisiense unter dem 2. November eine eigene Weihe erwähnt wird: Dedicatio cripte. Außerdem hat sie einen eigenen Patron, den Apostel Bartholomäus. Vom nördlichen Querschiff führt eine Treppe von 11 Stufen in die Krypta. Die südliche Tür führt in den Kapitelsaal.  Ein zugemauerter Zugang zur Marienkapelle ist wieder geöffnet worden. Am Westende der Krypta liegt die Confessio, die Grabkammer der Märtyrer, ein tonnengewölbter Raum, der in einer nach Westen hin gelegenen Nische den großen Reliquienschatz der Stiftskirche birgt. Neben dieser Öffnung sehen wir beiderseits eine Treppenanlage, die früher in der Kirche an der Stelle endete, wo heute die Seitenaltäre stehen. In den tonnengewölbten Seitenstollen vermutet man alte Zugänge oder Reste einer alten Stollenkrypta. Die Krypta hat einen Vorraum, an dessen nördlicher Wandein alter Brunnen liegt. Der östliche Teil ist dreischiffig, vierjochig. Die schweren Tonnengewölbe ruhen auf verhältnismäßig kurzen Säulen. Im Ostteil ist die Krypta durch eine dicke Mauer, die den gewaltigen Hochaltar tragen muß, um ein halbes Joch verkürzt. Störend wirken die schweren Wandpfeiler, die nach dem Brande 1165 errichtet wurden, um das Chorgewölbe abzustützen. Die großen, viereckigen Fenster sind erst in späterer Zeit ausgebrochen. Alte rundbogige Fenster sind innen wieder freigelegt. Die Kämpfer der Kryptasäulen liegen im östlichen Teil 13cm tiefer. Die attischen Basen sind mit Ecksporn verziert. Das Kapital an der ersten Säule am Südeingang ist mit einer  Palmette geschmückt, ein Kämpfergesims am nördlichen Wandpfeiler neben der Treppe mit einer Ranke.
Die Lambertikapelle war die Grabstätte der ersten Äbtissin Walburga. Nachdem am 26. September 1823 ihre Gebeine gehoben und im Hochaltar beigesetzt wurden, wurde die Kapelle Lagerraum. Nachdem man sie 1941 wieder in Ordnung gebracht hatte, wurde sie Leichenhalle. Die Renovierung 1964-65 brachte manche Überraschung. Zunächst wurden eine ganze Anzahl von Gräbern mit Gebeinen, in zwei Schichten übereinander, entdeckt. Eingehende Untersuchungen ergaben, daß man 1823 die Gebeine unter einer Grabplatte der Äbtissin Walburga gehoben hatte, ohne ihre Echtheit zu prüfen. Nach weiteren Grabungen entdeckte man in größerer Tiefe, unmittelbar vor dem Altar, ein Grab mit guter Einfassung und Kopfstütze. Darin befanden sich Gebeinreste. In der Falz der Grabumrandung paßte genau die alte Grabplatte, so daß man annehmen darf, jetzt die echten Gebeine gefunden zu haben und in der Grabplatte ein Stück zu besitzen, das ursprünglich ist, aus dem 9. Jahrhundert satmmt und das älteste Stück der Kirche ist. Die Gebeine wurden im Hochaltear der Stiftskirche geborgen. Im Januar 1965 entdeckte man hinter dem Altar ein zugemauertes Rundbogenfenster. Nach Entfernung der Füllschicht kam ein gut erhaltenes Frauenbildnis zum Vorschein. Auch im Gewölbe wurden Reste alter Malerei freigelegt: Christus in der Mandoria, umgeben von den Evangelisten und Reste eines Agnus Dei. Die Malereien könnten um das JAhr 1200 oder noch früher entstanden sein. Damit ist erwiesen, daß es sich bei der Lambertikapelle um ein Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert handelt. Die Kapelle ist ein fast quadratischer Raum mit einem Kreuzgewölbe. Von den beiden Öffnungen zur Krypta ist eine zugemauert, die andere geöffnet und läßt erkennen, daß die große Stützmauer des Hochaltars aus lose aufeinander geschichteten Bruchsteinen besteht.

Die innere Ausstattung
Die Stiftskirche besitzt wenig an Ausstattung aus der Zeit vor dem Ende des 17. Jahrhunderts. Wer jedoch weiß, wie die Schweden im Dreißigjährigen Kriege in Neuenheerse gehaust haben, wird sich nicht darüber wundern. Die beiden Äbtissinen Agatha von Niehausen (1692-1713) und Johanna Maria Katharina von Winkelhausen (1713-38) haben die Stiftskirche in hervorragender Weise neu ausstatten lassen. Von den großen Altären aus Marmor und Alabastar, die aus der Werkstatt des Heinrich Papen aus Giershagen stammen, sagt der Kunsthistoriker Lübke in seinem Werk:
Die mittelalterliche Kunst in Westfalen, Leipzig, 1853: "Fünf brilliante Altäre aus der blühendsten Rokokozeit".
Leider ist einer von ihnen, der Annenaltar im Fräuleinchor, abgebrochen worden.
Der Hochaltar mit Jahreszahl "1705" ist ein umfangreiches Werk. Das Mittelbild zeigt die im Barock beliebte Himmelfahrt Mariens, eine Erinnerung, daß die Kirche ursprünglich der Muttergottes geweiht war. Seitlich sehen wir die Figuren der beiden Patroninnen - Saturnina und Fortunata. Als Bekrönung die Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit, seitlich Petrus und Paulus, Johannes Baptista und Joseph. Der Altartisch steht frei - wie fast immer im Barock - und birgt hinter seiner Rückwand in einer vergitterten Nische den Schrein mit den Gebeinen der ersten Äbtissin Walburga. Neben dem Hochaltar stehen zwei schöne Sanctusleuchter aus Zinn, 2,25m hoch, die Dorothea von Schmising 1608 gestiftet hat.
Das Chorgestühl ist eine gute Tischlerarbeit aus dem 17. Jahrhundert. Bemerkenswert ist die Kommunionbank in den Formen des Klassizismus. Zwei große Drehpulte, um 1700 entstanden, tragen Choralbücher, die 1691 in Venedig gedruckt wurden. Aus derselben Zeit stammt die Figur des hl. Laurentius am nördlichen Wandpfeiler. Triumphierend hebt der Heilige sein Marterwerkzeug, den Rost, in die Höhe. Im Fräuleinchor steht noch das Gestühl aus dem Jahre 1728. Der große Äbtissinenstuhl konnte mit Holzkohle beheizt werden.
Die Kanzel (1731) ist ein Schmuckstück des Chores. Aus Holz gearbeitet, ist sie den Altären farblich angeglichen. An der Brüstung sitzen die vier Evangelisten. Auf dem Schalldeckel steht der Gute Hirt, umgeben von den vier abendländischen Kirchenlehrern.
Die beiden Seitenaltäre verdienen besondere Beachtung. Dort befinden Sich um das Mittelbild je sechzehn Ahnenwappen von den Ururgroßeltern der Stifterinnen, die beim Eintritt in das Stift zum Beweis der Ritterbürtigkeit vorgelegt werden mußten.
Der nördliche Seitenaltar zeigt im Mittelrelief das heilige Abendmahl, links und rechts  die Kirchenväter Augustinus und Ambrosius und oben im Rundrelief die hl. Sophia mit ihren Töchtern, die Patronin der Stifterin, der Dechantin Sophia von der Lippe.
Der südliche Seitenaltar hat im Mittelbild eine Darstellung der Anbetung der hl. Dreikönige, seitlich die hl. Kirchenväter Gregorius und Hieronymus und oben die hl. Agatha, die Patronin der Stifterin dieses Altares, der Äbtissin Agatha von Niehausen.
Die beiden Stifterinnen der Seitenaltäre waren in einem Wahlstreit von 1688-92 Gegnerinnen gewesen; die beiden Altäre sollten Zeichen ihrer Versöhnung sein. Die wuchtige Balustrade vor den Seitenaltären ist mit diesen aufgestellt worden. Die ursprüngliche farbliche Fassung der Holzbalustrade wurde freigelegt.
Der Martinialtar im nördlichen Querschiff ist um 1730 von der Äbtissin von Winkelhausen erstellt worden, von Christophel Papen aus Giershagen. Das Mittelbild ist eine Nachbildung des Gnadenbildes aus der damals sehr bekannten Wallfahrtskirche "Maria Hilf" in Passau (Nach Lucas von Cranach). Umgeben wird es von den Standbildern der Heiligen: Antonius der Einsiedler, Franz von Assissi, Bonifatius und Anton von Padua. Die Bekrönung ist sehr wirkungsvoll:
In der Mitte ein Relief des hl. Martin mit dem Bettler, daneben stehende, kniende, sitzende Engel. Hinter dem Holztabernakel sind verschließbare Gelasse, in denen die Schreine der Heiligen aufbewahrt wurden, die jetzt wieder in der Confessio stehen. Über dem Mittelbild des Altares ist das Wappen der Äbtissin von Winkelhausen.
Der Altar in der Krypta, eine Kreuzigungsgruppe in schwerem westfälischen Barock, trägt das Asseburger Wappen und dürfte um die Mitte des 18. Jahrhundert aufgestellt sein. Seine schweren Formen fügen sich in den alten romanischen Raum gut ein.
Die Orgel ist 1713 von Peter Henrich Varenholt erbaut. Nachdem sie 1880 und 1921 völlig umgebaut war, wurde sie im Sommer 1964 abgebrochen und gründlich renoviert. Heute steht wieder das alte Werk, wie es 1713 war, mit Rückpositiv und 32 Registern. Die Orgel hat einen herrlichen Klang, der Prospekt ist sehr eindrucksvoll. An der Brüstung der unteren Bühne, der "Mannsbühne", sind wie oftmals in Süddeutschland Bilder von Christus und seinen Aposteln. Die Orgel wurde unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Reuter aus Münster durch Orgelbaumeister Paul Ott aus Göttingen restauriert.
Der Taufstein im nördlichen Westbau, der ehemaligen Johanneskapelle, ist aus Sandstein, sechseckig, klechförmig und trägt an vier Seiten die Bilder der vier Evangelisten. An der nächsten Seite das Bild der hl. Saturnina mit dem Beil.
An der sechsten Seite oben: SIMON VON GIZEN, wohl der Name des Bildhauers.
Darunter in der Mitte das Wappen von Heerse - 3 Rosen,
Über dem Wappenschild: HEINRICH PEYN, BORGERMEISTER ZU HERSE.
Unter dem Wappenschild: DE HERSE.
An den folgenden Seiten: ANNO (Steinmetzzeichen) DOMINI 1585.
Am oberen Rande die Inschrift:
WARLICK. ICK. SEGGE: DI. ID. SI. DEN. DAT. JEMANDT. GEBAREN/IS UT DEN WATER UND DEM. H; GEISTE. DE. KANN. NICHT. IN. DAT. RYKE. GADES KOMEN. JOHANNES. AM. III.
(Wahrlich, ich sage dir, wer nicht geboren wird aus Wasser und Geist, der kann nicht in das Reich Gottes eingehen.)
Diese Inschrift in niederdeutscher Sprache ist ungewöhnlich.
Ein Chorgitter, zweiflügelig, aus der Zeit um 1400, ist jetzt vor dem Zugang zum nördlichen Querschiff. Aus Eisen geschmiedet, teilweise beschädigt. Alle Verbindungen durch Bunde und Nietungen, nicht geschweißt. Stilisierte Lilien, Rosetten, Trauben, Blätter und einige Vögel. Die schöne, bisher unbeachtete und unbekannte Schmiedearbeit ist in Westfalen einmalig. Ein gleiches Gitter befindet sich im Eingang zur Domkrypta in Hildesheim. Da das Stift Heerse schon frühzeitig eine Verbrüderung mit dem Domstift zu Hildesheim geschlossen hatte, dürfte das Gitter aus einer Werkstatt in Niedersachsen stammen.
Drei Grabplatten verdienen besondere Erwähnung.
Die Grabplatte der ersten Äbtissin Walburga befindet sich in der Lambertikapelle. Auf ihr wurde jede neue Äbtissin mit den geistlichen Gewändern bekleidet, um so die rechtliche Nachfolge deutlch erkennbar zu machen. Nach einer Aufzeichnung in der Pfarr-Chronik ist die Platte 1941 untersucht worden. Man kam zu der Überzeugung, daß sie noch aus dem 9. Jahrhundert stammt. Ähnlichkeit mit der Ursula-Inschrift aus Köln wurde festgestellt. Durch die Ausgrabungen 1964 wurden diese Feststellungen bestätigt. Somit dürfte die Platte das älteste Stück der Stiftskirche sein. Ihre Inschrift lautet:
Hic veneranda jacet Walburg quae mente virili
Struxit et hoc rexit prima monasterium.
Subjectis vitae tribuens exempla beatae
Ecclesiae cunctas amplficavit opes.
Nunc te Christe, pium videat quem semper amavit,
Ut dextris illam consocies ovibue (= ovibus).
IIII. Non. Mart. obiit.

Wenneker übersetzt diese Inschrift wie folgt:
Hier ruht Walburga die Hochwürdige Frau,
Großmüthig stifftet sie diesen Bau,
Als erste Mutter stund sie vor
Dem Hochadligen Fräulein-Chor.
Durch ein fromm- und heiliges Leben
Sie andern hat ein Beyspiel geben,
Nun lass O Gott sie zu Dir kommen,
Stell sie zur Rechten zu den Frommen.
Starb den 4. Martii.

Grabplatte der Äbtissin Haseke von Spiegelberg im Leichhaus. Von 1465, roter Sandstein, mit zwei Wappen, Spiegelberger Hirsch und Pyrmonter Ankerkreuz, Inschrift und Wappen graviert und schwarz ausgelegt.
Grabdenkmal der Äbtissin Maria Magdalena von der Asseburg von 1776. Aus Kupfer getrieben. Die Inschrift von der Wappenreihe der 16 Ahnen umrahmt. Am Ende der Inschrift heißt es von der Äbtissin:
Propugnatrix jurium. Mater pauperum. Speculum virtutum. Exemplar cleri et populi.
(Verteidigerin der Rechte. Mutter der Armen. Spiegel der Tugenden. Vorbild für Geistlichkeit und Volk.)
Zwei einfache Reliquienkästen stehen in der Confessio, in denen die Gebeine der Heiligen - Saturnina, Fortunata und Valeria - ruhen. Der eine Kasten trägt ein altes Schriftband aus Braunemail, um 1200, von einem älteren Saturninenschrein mit einem lateinischen Lobspruch auf diese Heilige. Außerdem sind von diesem alten Schrein noch fünf Zierleisten erhalten, ebenfalls in Braunemail, mit 25 verschiedenen Mustern.
Die beiden Zierschreine, im Volksmund "Rasten" genannt, stehen in der Marienkapelle. Sie sind aus Holz, vergoldet und bilden die Hüllen für die einfachen Reliquienkästen, Um 1710 sind sie entstanden.
Ein Kreuz (um 1460) in der Kirche neben dem Eingang zum Kapitelsaal verdient noch unsere Beachtung. Es kam aus der abgebrochenen Marktkirche in Paderborn nach hier. Auf dem Scheitel sind dunkle Stellen, die darauf hindeuten, daß das Haupt des Heilandes ehedem mit natürlichem Haar bedeckt war. Die Inschrift ist in Lateinisch, Hebräisch und Griechisch.
Es würde zu weit führen, alle Ausstattungsstücke der Stiftskirche zu beschreiben. Doch aus dem Kirchenschatz seien noch erwähnt:
Das Siegel des Bischofs Liuthard, des dritten Bischofs von Paderborn und Gründers des Stiftes Heerse, der von 862-887 Bischof war. Der 21mm breite Stempel aus Wachs stellt den Kopf eines Mannes dar, anscheinend mit Schnurrbart, geschmückt mit einem Stirnreif. Die klar geschnittene Umschrift lautet: Luithardus pre(sul). Die letzten drei Buchstaben sind mit dem unteren Rand des Siegels verloren. Es handelt sich, soweit bekannt, um das älteste erhaltene Bischofssiegel.
Eine Agnus-Dei-Kapsel, Kupfer, vergoldet, 65cm Durchmesser, aus der Zeit um 1200, war in früheren Zeiten mit Reliquien gefüllt und mit Steinen auf der Rückseite verschlossen.
Reliquienbüste, Haupt der hl. Agatha, Silber getrieben, teilweise vergoldet, aus dem 14. Jahrhundert, 33cm hoch, 30cm breit. Eine Halsborte aus Emailleplatten.


Quelle: "Stiftskirche Neuenheerse" Kunstführer Nr. 895 von 1968
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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