KF Nr. 895 (2013) - Haxter-Chronik

Haxter
Chronik
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Geschichte
Die Geschichte
Bevor im Quellgebiet der Nethe das Stift Heerse gegründet wurde, bestand bereits eine kleine Kirche (Urpfarrei), die mit Reliquien und dem Patrozinium des merowingischen Heiligen Quintinus ausgestattet war. An einer der Erhebungen bzw. Translationen der Gebeine des hl. Quintinus nahm im Jahr 835 im heutigen französischen St. Quentin der zweite Paderborner Bischof Badurad (815-862) teil und brachte von dort Reliquien mit nach Paderborn und Heerse. Einige Jahre nach der errichteten Urpfarrei gründete an diesem, der Paderborner Kirche gehörenden Ort, der dritte Paderborner Bischof, Liuthard (862-887), zusammen mit seiner Schwester Walburga eine geistliche Institution für Damen, die er auf der Provinzialsynode in Worms am 16. Mai 868 und auf einer Diözesansynode in Paderborn bestätigen ließ. Die Wormser Synodalurkunde nennt es: "...in territoriis villae, quae Heresi nuncupatur...". Seine Schwester Walburga übernahm als erste Äbtissin die Leitung dieses Kanonissenstiftes (nach canones = Regeln, gemeinschaftlich organisiertes Leben). Im westfälischen Raum waren ca. 25 Stifte angesiedelt, eines davon das Kanonissenstift Heerse, auch Damenstift genannt. Die sich im Laufe der Zeit bildende Dorfgemeinschaft nannte sich später Neuenheerse, während sich das Stift immer Heerse nannte. Bereits drei Jahre nach der Gründung wurden dem Stift im Jahre 871 von König Ludwig dem Deutschen alle Privilegien bestätigt und ein besonderer Schutz erteilt.
Weitere kaiserliche und päpstliche Privilegien folgten:
887 bestätigt Kaiser Karl der Dicke die Privilegien und Schenkungen von Ländereien;
890 betsätigen die beim Reichstag zu Forchheim versammelten Bischöfe und Äbte alle erworbenen Privilegien und den Grundbesitz;
891 betsätigt Papst Stephan V. auf einer Papyrusurkunde die Prvilegien für das Stift Heerse;
935 erhält das Stift eine Privilegienurkunde von König Heinrich I.;
941 verleiht König Otto I. dem Stift Schutz, Immunität und unter bischöflicher Aufsicht eine freie Äbtissinnenwahl.
Die im 9. Jahrhundert gegründeten Stifte, deren Wille ein gemeinschaftliches Leben und die gemeinsame Pflichterfüllung im Chorgebet, Gottesdienst und der Eucharistie war, sollten einem den vorgaben der Kirche entsprechendem Regelwerk zugeordnet werden. So standen nur zwei Möglichkeiten konstitutiver Verfassungen zur Verfügung: entweder die Übernahme der Regel des hl. Benedikts oder die Annahme der Institutio sanctimonialium, einem im Jahre 816 in Aachen erarbeiteten Regelwerk. Für die Kanonissengemeinschaft Heerse dauerte es noch fast 300 Jahre, bis sich individuelle Merkmale eines freien Kanaonissenstiftes herausbildeten, auch wenn es deutliche Präferenzen für eine Verfassung nach Aachener Regeln gab. Eindeutig wird es ab dem 14. Jahrhundert, wo die Benennung saeculari Ecclesia Herensi (freie Kirche Heerse) als Identifikantion mit einer freien kanonistischen Verfassung üblich wird.
Das Stiftskapitel von Heerse gab sich in den Jahrhunderten seine Existenz eigene schriftliche Verfassungen. Die erste bekannte stammt aus dem Jahr 1364 und die letzte bis zur Aufhebung gültige aus dem Jahr 1661. An der Spitze des Stiftes stand die Äbtissin, die in weltlichen Angelegenheiten von der Pröpstin und in geistlichen und gottesdienstlichen Belangen von der Dechantin vertreten wurde. Die Anzahl der Stiftsdamen schwankte in den einzelnen Jahrhunderten zwischen zwölf und zwanzig entsprechend der Anzahl der Damenpräbenden. In den ersten Jahrhunderten mussten alle Kanonissen hochadligen Geschlechts sein. Erst zu Beginn der Neuzeit waren auch Damen aus ministerialem Adel zur Aufnahme ins Stift Heerse zugelassen. Nach den Bestimmungen der Aachener Regeln ist anzunehmen, dass sowohl die Stiftsdamen als auch die Geistlichen anfangs in einer vita communis lebten, die sich in den meisten westfälischen Stiften aber bis ins 14. Jahrhundert soweit geändert hatte, dass von einer Auflösung der gemeinsamen Lebensform gesprochen werden muss. Im Verlauf des Hochmittelalters wurde das Gemeinschaftsgut in Einzelpfründe aufgeteilt und den jeweiligen bereits bestehenden oder nun zu gründenden Benefizien mit Altar und Kurie zugewiesen. Im Stift Heerse wurden insgesamt 17 verschiedene Klerikerpräbenden eingerichtet, die fast alle in der Stiftkirche mit einem eigenen Altar bepfründet waren.
Zwei eingegliederte Pfarreien gehörten noch zum Stift: St. Georg in Altenheerse und St. Bartholomäus in Istrup. Hauptaufgaben der Kanonissen war die feierliche Durchführung des Chordienstes und anderer Gottesdienste und unter Beteiligung der weltlichen Geistlichen die Eucharistiefeier. Die zu gottesdienstlichen, pastoralen und seelsorglichen Aufgaben erforderlichen Kleriker waren Angestellte des Stiftes und unterstanden geistlich und weltlich der Jurisdiktion der Äbtissin. Der Bischof besaß nur ein Prüfungs- und Zustimmungsrecht. Bereits mit der Gründung des Stiftes waren ein oder mehrere Geistliche in Heerse tätig, doch erst für das Jehr 1123 lassen sich die ersten fünf Geistlichen nachweisen: 1148 sind drei sacerdotes Heresia bekannt; 1158 werden zwölf Presbiteri erwähnt; 1163 werden elf Geistliche benannt; 1185 sind fünf canonici urkundliche erwähnt und 1204 werden fünfzehn Kanoniker genannt. Mit der Präsenzordnung des Jahres 1456 gibt es eine vollständige Liste von fünfzehn geistlichen Herrenpräbenden, die bis zur Aufhebung des Stiftes bestanden.
Das mit Dekret vom 01. Dezember 1810 vom König von Westfalen Jérôme aufgehobene Stift Heerse verdankt den Erhalt seines Kircheninventars dem persönlich guten Verhältnis zwischen der letzten Äbtissin des Stiftes. Maria Caroline von Dalwigh zu Lichtenfels aus dem Hause Sand (1776-1810), und dem Aufhebungskommissar Stahlknecht. Dieser vermerkte in seinem Protokoll: "... zieht man aber in Erwägung, daß der gemeine Haufen sich an den Pomp beim hiesigen Gottesdienst gewöhnt hat und davon nur mit Murren abzubringen sein dürfte, dann drängt sich die Nothwendigkeit auf, das der hiesigen Kirche zu  belassen..."

Die heilige Saturnina
Zum Aufbau des christianisierten Sachsenlandes und zur Stärkung der jungen Kirche dienten die Übertragungen von Heiligengebeinen in Pfarrkirchen, Klöstern und Bischofskirchen. Als eine Erscheinung des innerkirchlichen Lebens, eine "Ebene der Vernetzung mit dem orbis Christianus" (Brandt/Hengst) kam den Heiligengebeinen ein besonderer Stellenwert in der Kirche zu. Nach einer schriftlichen Überlieferung des 15. Jahrhunderts auf der Rückseite der Papyrusurkunde von Papst Stephan V. kamen unter Bischof Biso (887-908) die Gebeine der hl. Saturnina, der Leib der hl. Agatha und eine Rippe des hl. Laurentius ins Stift Heerse.
Heute wissen wir, dass die Reliquien der hl. Saturnina aus Frankreich, dem Ort Sains-les-Marquion (Diözese Arras), kamen. Das wohlhabende Stift Heerse erwarb in späteren Jahrhunderten weitere Reliquien, so dass sich die Stiftskirche eines überaus wertvollen und umfangreichen Schatzes an Reliquien erfreuen kann. Die hl. Saturnina wurde im 11. Jahrhundert Patronien des Stiftes.

Baugeschichte
Bereits vor dem Jahre 1348 ist für die Stiftskirche eine Orgel nachgewiesen, die als Schwalbennestorgel in der Nähe des Hochaltars angebracht war. Die jetzige Orgel kann nach gut begründeten Indizien der Orgelbauwerkstatt der Brüder Andreas und Bernhard Matthias Reinecke aus Eschershausenin Niedersachsen zugeschrieben werden. Der Bau der Orgel begann um 1713 und zog sich einige Jahre hin. Denn 1719 war die Orgel noch nicht bemalt und Äbtissin von Winkelhausen ordnete von Schloss Herdringen aus einen Baustopp an, um die Farbgebung der Orgel überwachen zu können.
Die heutige Orgel wurde 1964 grundlegend restauriert und die vermutete ursprüngliche Disposition mit 32 Registern rekonstruiert. Unterhalb der Orgel sind an der Brüstung die Gemälde von Christus und den zwölf Aposteln angebracht. Der Maler ist unbekannt.

Die Orgel
Bereits vor dem Jahre 1348 ist für die Stiftskirche eine Orgel nachgewiesen, die als Schwalbennestorgel in der Nähe des Hochaltars angebracht war. Die jetzige Orgel kann nach gut begründeten Indizien der Orgelbauwerkstatt der Brüder Andreas und Bernhard Matthias Reinecke aus Eschershausenin Niedersachsen zugeschrieben werden. Der Bau der Orgel begann um 1713 und zog sich einige Jahre hin. Denn 1719 war die Orgel noch nicht bemalt und Äbtissin von Winkelhausen ordnete von Schloss Herdringen aus einen Baustopp an, um die Farbgebung der Orgel überwachen zu können.
Die heutige Orgel wurde 1964 grundlegend restauriert und die vermutete ursprüngliche Disposition mit 32 Registern rekonstruiert. Unterhalb der Orgel sind an der Brüstung die Gemälde von Christus und den zwölf Aposteln angebracht. Der Maler ist unbekannt.

Altäre der Stiftskirche
Von der großen Zahl ehemaliger Altäre sind nur fünf aus der Barockzeit erhalten geblieben. Das große Altarenensemble stammt aus der Bildhauerwerkstatt Heinrich Papen (1644-1719) und dessen Sohn Christophel Papen (1678-1735) aus Giershagen. Heinrich Papen schuf 1701 den von der Äbtissin Agatha von Niehausen (1692-1713) gestifteten südlichen Seitenaltar (rechts), 1704 den von der Dechantin Elisabeth Sophia von Lippe geschenkten nördlichen Seitenaltar (links) und 1705 unter der Äbtissin Agatha von Niehausen den Hochaltar. Den im nördlichen Querhaus aufgestellten St. Martinsaltar schuf Christophel Papenim Auftrag der Äbtissin Johanna Maria Katharina von Winkelhausen (1713-1738). Der Bildhauer des westfälisch (robust) anmutenden Altars in der Krypta ist unbekannt. Das Werk stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und trägt das Wappen der Familie von Asseburg.
Der Hochaltar
Die Baukunst des Barock als Ausdruck der Gegenreformation hatte ein Lieblingsthema: die unbefleckte Empfängnis Mariens, die die Gottesmutter in den Himmel emporschwebend zeigt.Diese Himmelfahrt Mariens im Zentrum des Neuenheerser Altars wird zu einem theatrum sacrum der katholischen Kirche. Der Bildhauer Heinrich Papen fand seine gestalterische Vorlage in einem Kupferstich des TheodoorGalle (1571-1633) von 1613, geschaffen nach einem Vorbild Peter Paul Rubens (1577-1640) (Miss. Roman., Rheinische Landesbibliothek, Koblenz) und in dem Gemälde "Himmelfahrt Mariens" von Peter Paul Rubens, das um 1616/18 entstand (Hamburger Kunsthalle, Inv. Nr. 763). Auf einer Wolke stehend schwebt Maria von Engeln begleitet in den Himmel. Die um ihren Sarkophag versammelten Jünger sehen staunend in das leere Grab, nur zwei Hände weisen schüchtern zum Himmel. Neben der doppelten Säulenstellung im Hauptgeschoss stehen links die hl. Saturnina, rechts die hl. Fortunata. Im darüber liegenden Attikageschoss sind im Lorbeerkranz Gottvater und Sohn auf der Weltkugel gelehnt mit den Assistenzfiguren (v. l. n. r.) der hll. Petrus, Josef, Johannes Baptist und Paulus dargestellt. Aus dem gesprengten Giebel erhebt sich der Heilige Geist in Form einer Taube. Der Neuenheerser Hochaltar gilt als das "routinierte Werk eines auf der Höhe seiner Kunst stehenden Meisters" (Buchenthal, S. 110), der 1726 als Vorlage für den Hochaltar (zerstört) der ehemaligen Klosterkirche in Himmelpforten (Hildesheim) diente. In einer rückseitigen Nische des frei stehenden Altartisches birgt ein Sarg die Reliquien der Stiftsgründerin , der hl. Äbtissin Walburga.
Die 2,30 m großen zinnenen Sanctus-Leuchter zu beiden Seiten des Altartisches stiftete 1618 die Stiftsdame Dorthea von Schmising.
Die Seitenaltäre
Die beiden etwas früher entstandenen Seitealtäre, an denen das Benefizium Ss. Corporis Christi (links) und das Benefizium St. Petrus (rechts) eingerichtet war, treten in ihrer künstlerischen und technischen Umsetzung hinter den Hochaltar zurück.
Den eingeschossigen südlichen Altar prägt ein auffallend großes Mittelrelief aus Alabaster, das von beiden Seiten mit je sieben Wappen und darüber dem elterlichen Wappen die adelige Abstimmung der Stifterin dokumentiert. Das Mittelrelief des südlichen Seitenaltars (1701) zeigt die Anbetung der Hl. Drei Könige und weiterer Personen vor dem neugeborenen Jesus. Über dem Stifterwappen von Putten umgeben sieht man die hl. Agatha im Lorbeerkranz. Den Reigen der Assistenzfiguren, die bei beiden Altären heilige Kirchenväter sind, beginnt mit dem hl. Gregorius (links) und dem hl. Hieronymus (rechts).
Der nördliche Seitenaltar (1704) ist analog zum südlichen aufgebaut und zeigt im Mittelbild das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern, darüber das elterliche Wappen der Stifterin und im gesprengten Giebel in einem Lorbeerkranz die Kreuzanbetung der hl. Sophia. Als Assistenzfiguren stehen links neben der Spiralsäule der hl. Augustinus, rechts der hl. Ambrosius.
Der St. Martinsaltar
Der seit ca. 1730 an der Ostwand im nördlichen Querhaus der Stiftskirche Neuenheerse stehende St. Martinsaltar wurde im Auftrag der Äbtissin Johanna Maria Katharina von Winkelhausen (1713-1738) vom Bildhauer Christophel Papen aus Giershagen gefertigt. Der auf flämische Vorbilder zurückgehende Altar ist theologisch-spirituell als Reliquienziborium definierbar. Derauf den ersten Blick gesamtprägend auffallende Tabernakel ist eine sekundäre Ergänzung des 19. Jahrhunderts. Er verdeckt vier hölzerne Klappen, hinter denen sich eine grottenähnliche Kammer und zwei kleine darüber liegende Einstellfächer befinden. Die untere Kammer (ca. 77 x 93 cm) geht durch das Retabel hindurch bis ca. 53 cm tief ins Mauerwerk der östlichen Außenwand des nördlichen Querhauses und diente zur Aufbewahrung der Reliquien der hl. Saturnina und der hl. Fortunata. Inwendig ist sie mehrschichtig verputzt und mit einer blau-türkisen Farbe und goldenen Sternen ausgemalt. Der Neuenheerser Altaraufbau vereint das gewöhnliche Barockretabel und das Reliquienziborium zu einem Werk. Als solcher ist er bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts im Gebrauch gewesen. Im Zentrum der Mittelachse dominiert eine Mariendarstellung in halbplastischer Nachahmung eines Gemäldes von Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553), das nach 1537 entstand. Dieses im 17. und 18. Jahrhundert im süddeutschen und alpenländischen Raum sehr beliebte und tausendfach kopierte Marienbild wurde zum Inbegriff der Auriliatrix, der Marienhilfe, Maria als Fürsprecherin des Menschen vor Gott und so zum Gnadenbild Maria-Hilf, das in der Passauer Wallfahrtskirche die bekannteste Verherungsstätte fand. Das über dem Gnadenbild auffallend große Wappen kennzeichnet die Stifterin, Äbtissin von Winkelhausen und repräsentiert einen Retabeltypus der zeitlich aber nicht qualitativen zum Höhepunkt und Ende der westfälischen Altarbaukunst im Hochbarock gehört.
Aus dem gesprengten Giebel erhebt sich als Bekrönung im bekränzten Medaillon die Martinsszene. Der Giebelbereich ist auffallend reich dekoriert, das Stifterwappen und das Martinsmedaillon ist in sinniger Vollkommenheit von zwölf Engeln flankiert. In der Hrizontalebene wird das Maria-Hilf-Bild von stehenden Heiligen flankiert, die im Gesamtaufbau des Retabels eine Sonderstellung einnehmen. Die Assistenzfiguren (v. l. n. r.) - der hl. Antonius der Einsiedler, der hl. Franz von Assisi, der hl. Bonifazius und der hl. Antonius von Padua - lassen sich keinem Programm zuordnen. Ihre vom Mittelbild des Retabels nach außen gerichtete Blickrichtung deutet auf eine neue innere Weite der katholischen Kirche. Auf die für die Barockzeit kennzeichnenden Säulen und das Gebälk wird beim St. Martinsaltar verzichtet.
Es deutet sich der Übergang vom Hochbarock zum Regence/Rokoko an. Die Mittelachse zeigt aufsteigend die hl. Saturnina und die hl. Fortunata, vertreten in ihren Gebeinen, die Mutter Gottes und den hl. Martin. Diese Reihe von Heiligen findet sich als Kirchenpatrone in einer Urkunde das 11. Jahrhunderts wieder. Durch diesen Rückverweis in jene Zeit kann der Martinsaltar auf einen Tabernakel verzichten, da das Sanctissimum im Mittelalter nicht auf den Altären, sondern in Wandnischen oder freistehenden Tabernakelsäulen aufbewahrt wurde. Zur Zeit der Entstehung dieses Altars ist historisch und theologisch die Ära der Gegenreformation überwunden, jegliche demonstrativen katholischen Elemente sind entbehrlich und der Altar präsentiert sich in den Funktionen als Reliquienziborium und Devotionsaltar.

Die Schatzkammer
Im Jahr 2000 konnte die kath. Pfarrgemeinde im ehemaliegen Kapitelsaal des Stiftes eine Schatzkammer einrichten. Die gezeigten Exponate von Kelchen, Monstranzen und weiteren Kirchengeräten aus Edelmetallen stammen vorwiegend aus der Zeit vor der Aufhebung der Institution (1810). Sie reichen weit zurück bis in die Gründungszeit des 9. Jahrhunderts und dokumentieren den ehemaligen Reichtum des Kanonissenstiftes.
Zu den ältesten Ausstellungsstücken gehört eine Agnus Dei-Kapsel aus der Zeit um 1200. Die aus vergoldetem Kupfer mit einer Schlaufe versehene Kapsel hat einen Durchmesser von 65mm. In ihr wurde ein vom Papst aus der Osterkerze geformtes und geweihtes Wachstäfelchen aufbewahrt. Als Sakramentale konnte es vom Empfänger am Körper getragen werden. Im Mittelalter wurde das Agnus Dei noch vom Papst persönlich an bedeutende Personen vergeben. Wem dies vom Stift Heerse zuteil wurde, ist nicht bekannt. Das ursprüngliche Wachstäfelchen ist nicht mehr erhalten.
Das älteste deutsche Bischofssiegel, das Siegel des dritten Paderborner Bischofs Liuthard (862-887), wurde erst 1942 bei den Gebeinen der hl. Saturnina entdeckt.
Die Umschrift bezeichnet den Bischof: LIVTHARDVS PRE [SVL]     (V = U).

Zeittafel
    vor 868
    868
    871
    887
    nach 887
    890
    891
    935
    941
    9. Jh.
    10. Jh.
    1030
    1050-1056
    1100-1130
    1165
    1297
    1350-1360
    14. Jh.
    1618-1648
    1693-1698
    1713
    1756-1763
    1789-1793
    1803
    1810

kleine Pfarrkirche mit St. Quintinus-Patrozinium wird am Ort der heutigen Krypta vermutet
Provinzialsynode in Worms. Gründung des Damenstifts Heerse durch den dritten Paderborner Bischof Liuthard
König Ludwig der Deutsche verleiht Priviliegien- und Schutzurkunde
Kaiser Karl der Dicke bestäfigt Privilegien- und Schutzurkunde
Reliquien der hl. Saturnina kommen ins Stift Heerse
Reichstag zu Forchheim: Gründungsbestätigung, Privilegien
Papst Stephan V.: Gründungsbestätigung, Papyrusurkunde
König Heinrich I. betsätigt die Privilegien des Stiftes
König Otto I. verleiht Schutz- und Immunitätsdiplom
Bau I: spätkarolingische Basilika
Bau II: ottonische Basilikaum
Westwerkanlage mit Damenempore im Mittelturm
Kaiser Heinrich III. bestätigt die Privilegien des Stiftes
Bau III: romanische Säulenbasilika
Brand der Stiftskirche
gotischer Umbau
Gründung der noch bestehenden Kalandsbruderschaft
Bau IV: gotische Hallenkirche
Dreißigjähriger Krieg: Raub und Plünderung im Stift
barocker Umbau im Hochchor, neue Glasfenster
neue Orgel
Siebenjähriger Krieg
Umbau, Dacherneuerung, Westwerkerhöhung um ca. 1,80 m (6 Fuß), Haube für den Mittelturm
Reichsdeputationshauptschluss, Umwandlung des Stiftes in eines dreikonfessionelle Versorgungsanstalt für preußische adlige Damen
Aufhebung des Stiftes Heerse, verkauf des Stiftseigentum, die Stiftskirche wird kath. Pfarrkirche


Quelle: "Kath. Stiftskirche St. Saturnina Neuenheerse" Kunstführer Nr. 895 von 2013
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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