Lemgo - Haxter-Chronik

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Chronik
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Alte Hansestadt Lemgo
Lemgo (niederdeutsch: Lemge, Lemje) ist Hochschulstadt, mit 41.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt des Kreises Lippe, liegt 25 km östlich von Bielefeld und mitten in der Region Ostwestfalen-Lippe. Die Stadt gehört zum  Regierungsbezirk Detmold im Nordosten Nordrhein-Westfalens.
Lemgo wurde 1190 an einem Kreuzungspunkt wichtiger Handelswege als Planstadt durch die Herren zu Lippe gegründet. Damit ist der Ort neben dem heute im Kreis Soest liegenden Lippstadt eine der ältesten lippischen Städte. Seit 1245 besitzt Lemgo die Stadtrechte, war im Spätmittelalter Mitglied der Hanse und nennt sich daher auch Alte Hansestadt Lemgo. Das Stadtbild wird durch zahlreiche spätmittelalterliche Bauwerke geprägt. Bis 1973 war Lemgo Sitz der Verwaltung des Kreises Lemgo, der im Rahmen einer Kreisgebietsreform im Kreis Lippe aufging.
Lemgo ist Sitz der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und hat sich zu einem der drei regionalen Leistungszentren in dem Technologienetzwerk Intelligente Technische Systeme Ostwestfalen-Lippe entwickelt. Überregional bekannt ist der Ort auch durch die Erfolge der Bundesligahandballmannschaft des TBV Lemgo. Die Stadt ist durch das ländliche Umfeld des Lipper Berglandes geprägt, größte Erwerbszweige sind die Metallverarbeitung, die Fabrikation von Dentalinstrumenten, der Maschinenbau, die Industrieelektronik sowie der Dienstleistungsbereich.  
Anlässlich des 500. Jubiläums der Reformation wurde Lemgo 2016 als 52. Stadt von bisher 100 Städten in 17 Ländern der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ durch die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa verliehen.



Geographische Lage
Lemgo liegt im Tal der Bega im hügeligen Lipper Bergland, einem Mittelgebirge im Norden des Kreises Lippe, im Nordosten des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Das Gebiet am Nordsaum der Mittelgebirgsschwelle wird im Norden durch das Wiehengebirge, im Süden durch den Teutoburger Wald und im Osten durch die Weser begrenzt und gehört naturräumlich zum Weserbergland. Obwohl die Stadt im Tal gegründet wurde, zieht sie sich auf die umliegenden Höhen der Berge hinauf und nimmt spätestens seit den Eingemeindungen eine große Fläche im Lipper Bergland ein. Die tiefste Stelle liegt auf 83 m im Tal der Bega auf der Grenze zu Bad Salzuflen im Ortsteil Lieme. Der höchste Punkt des Stadtgebiets ist der Windelstein mit 347 m ü. NN in der Lemgoer Mark östlich der Kernstadt.
Die nächstgrößeren Städte sind im Norden Minden (29 km Entfernung), im Westen Bielefeld (25 km) und im Süden Detmold (12 km) und Paderborn (36 km). Der umgebende Landesteil Lippe gehört zur Region Ostwestfalen-Lippe.
Lemgos Altstadt liegt am Nordufer der Bega, eines rechten Nebenflusses der hier von Ost nach West fließenden Werre.

Geologie
Die Stadt liegt im Lemgoer Talbecken, einer von der Bega entwässerten Niederung. Diese Vertiefung ist in der Eiszeit durch eine Grundmoräne und danach durch Flussablagerungen aufgefüllt worden. Die Oberfläche ist mit Löß bedeckt. Darunter sind Schichten aus Tonmergel, Kalk- und Sandgestein (speziell Planicosta-Sandstein) des Erdmittelalters zu finden. Im Verlauf der Erdgeschichte wurden diese Sedimentgesteine herausgehoben und bilden Sättel, Mulden, Horste und Gräben. Im Untergrund sind die Gesteinsschichten durchaus nebeneinander angeordnet. Im tiefen Untergrund sind Steinsalz und Gips gelöst, so dass dort trichterförmige Einsenkungen vorzufinden sein könnten.
Lemgos Stadtgebiet eignet sich vornehmlich im nordwestlichen und südwestlichen Gemeindeteil sehr gut, sonst weitestgehend gut zur Nutzung von geothermischen Wärmequellen mittels Erdwärmesonde und Wärmegewinnung durch Wärmepumpen. Lediglich vereinzelte Standorte sind nicht geeignet (vgl. dazu die geothermische Karte von Lemgo).

Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebiets
Lemgo liegt im ländlich geprägten Lipperland; der größte Anteil des Stadtgebietes wird landwirtschaftlich genutzt, dann folgt die Waldnutzung. Siedlungs- und Verkehrsflächen nehmen rund 20% ein.Mit Eingemeindungen erstreckt sich das Stadtgebiet auf rund 101 km². In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich Lemgo maximal über 14,3 km, in Ost-West-Richtung maximal über 13,1 km.

Nachbargemeinden
Lemgo liegt relativ zentral im Landkreis Lippe und grenzt im Uhrzeigersinn beginnend im Norden an die Städte und Gemeinden Kalletal, Dörentrup, Blomberg, Detmold, Lage, Bad Salzuflen (alle Kreis Lippe) und Vlotho (Kreis Herford).

Stadtgliederung
Die Stadt gliedert sich seit der Gemeindereform im Landkreis Lemgo am 1. Januar 1969 in 14 Ortsteile, die in der folgenden Tabelle samt Einwohnerzahlen (Haupt- und Nebenwohnsitze) aufgeführt sind. Ende 2016 waren 1420 Personen mit Nebenwohnsitz in Lemgo gemeldet.

Die Ortsteile: LEMGO, Brake, Brüntorf, Entrup, Hörstmar, Leese, Lieme, Lüerdissen, Matorf-Kirchheide, Trophagen, Wahmbeck, Welstorf und Wiembeck.

Klima
Lemgo liegt, wie das ganze Lippische Bergland, im Übergangsbereich vom überwiegend vorherrschenden maritimen Klima und dem schwächer und in dieser Gegend nur temporär ausgeprägten Kontinentalklima. Daher sind die Temperaturen und Niederschläge im Jahresverlauf relativ ausgeglichen. Die Sommer sind im Vergleich zum hochkontinentalen Klima eher kühl, die Winter eher warm. Die Stadt liegt im atlantischen Klimabereich, ist mit 799 mm niederschlagsreich und von den Temperaturen her verhältnismäßig ausgeglichen. Dabei schirmt der Teutoburger Wald den Ort vor den vorherrschenden Winden aus West ab, die Niederschläge vom Atlantik heranführen. Die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt etwa 8,5 °C bis 9 °C.

Geschichte
Stadtgründung und spätes Mittelalter
Die erste nachgewiesene Besiedlung konnte im Jahr 2008 durch die Bestimmung des Alters eines kleinen Knochenstücks eines in Ost-West-Richtung bestatteten Leichnams auf dem ehemaligen Friedhof der ursprünglichen St. Johann Kirche am heute sogenannten Stumpfen Turm auf die Zeit der Sachsenkriege unter Karl dem Großen um das Jahr 780 datiert werden. Das Gebiet, in dem die heutige Stadt Lemgo liegt, wurde Anfang des 11. Jahrhunderts Limgauwe oder Limga genannt. Aus der durch Urkunden belegten Besiedlungsgeschichte geht hervor, dass dort im 11. und 12. Jahrhundert mehrere Siedlungen bestanden. Die Burg Brake wurde schon vor 1190 errichtet, lag aber in einer sumpfigen Flussaue der Bega, die kein geeignetes Gelände für die Anlage einer Stadt bot.
So wurde Lemgo um 1190 nordwestlich davon auf trockenem Gebiet von Bernhard II. gegründet und entwickelte sich dank seiner Lage am Kreuzungspunkt zweier wichtiger Handelswege des Mittelalters für lange Zeit zur größten und bedeutendsten Stadt der Grafschaft Lippe. 1215 wurde die Pfarrkirche St. Nicolai geweiht.
Im Jahr 1231 erhob die Diözese Paderborn die Stadt zum Sitz des Archidiakons, des bischöflichen Stellvertreters, um 1235 ließ die nun ein eigenes Siegel führende Civitas Münzen prägen. Nachdem Lemgo 1245 das Stadtrecht erworben hatte und das Wandschneiderprivileg dem Gewerbe Vorrechte einräumte, beantragte die Stadt 1295 die Aufnahme in den Hansebund. Doch erst 1324 wurde sie als Hansestadt aufgenommen. Lemgo verband sich daraufhin im sogenannten Kölner Quartier mit den Städten Herford und Bielefeld, um Handel mit Tuchen, Garnen und Leinen zu treiben. Die Handelsbeziehungen der Lemgoer Kaufleute führten über Lübeck bis Visby, Stockholm und Turku in Skandinavien sowie über Bremen und Elberfeld (heute zu Wuppertal) nach Flandern, und Lemgo gewann zusehends an wirtschaftlicher Bedeutung. Zusammen mit Lippstadt konnte es zudem Einfluss auf die gräfliche Politik gewinnen. Auch sicherte sich die Stadt die Kontrolle über die Finanzverwaltung. Zudem spielte die Stadt eine gewisse Rolle bei Landfriedensbündnissen, vor allem, um den Fernhandel zu sichern, und sie nahm in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch an Tagfahrten der Hanse teil. Möglicherweise hatte die Stadt um 1300 bereits 3500 Einwohner.
Ähnlich wie Lippstadt wurde Lemgo nach einem Dreistraßenschema angelegt und musste schon um 1265 aufgrund seines wirtschaftlichen Erfolgs durch die Anlage der Neustadt erweitert werden. Diese lag südlich der Altstadt in der feuchten Begaaue und wurde in einem Zweistraßensystem angelegt. Zunächst selbständig – Edelherr Simon I. verlieh ihr die Stadtrechte –, war die stärker handwerklich geprägte Neustadt durch Markierungen von der Altstadt getrennt, bevor beide Stadtteile 1365 vereinigt und mit einem gemeinsamen Graben und Wall gesichert wurden. So ist das Straßensystem aus fünf in Ost-West-Richtung verlaufenden Straßen, die durch eine Nord-Süd-Achse verbunden sind, entstanden. Dies gilt als einzigartig im gesamten Raum Lippe und Ostwestfalen.

Reformation und Hexenverfolgung
 
Die Stadt um 1663
Der Wohlstand der Stadt in dieser Zeit zeigt sich in den reich verzierten Steingiebel- und Fachwerkbauten, die in der gesamten Stadtmitte, vorwiegend am Marktplatz und an der Mittelstraße, zu finden sind. Der wirtschaftliche Aufschwung führte zu einem ausgeprägten Selbstbewusstsein der Bürger, das sich auch gegenüber der Kirche und dem Landesherrn äußerte. Bevor die Grafschaft Lippe 1538 zum evangelischen Bekenntnis übertrat, formierte sich in Lemgo in den 1520er Jahren eine reformatorische Bewegung, die 1533 die Einführung der Reformation in der Stadt erreichte. 1605 trat Graf Simon VI. offiziell zum evangelisch-reformierten Bekenntnis über, so dass in Lippe nach dem Prinzip cuius regio, eius religio der Wechsel vom lutherischen zum reformierten Bekenntnis durchgeführt wurde. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen erlaubte der Röhrentruper Rezess 1617 der Stadt, dennoch beim lutherischen Bekenntnis zu bleiben.
 
Denkmal für Maria Rampendahl an der Kirche St. Nicolai
Eine schwere wirtschaftliche Krise, ausgelöst durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648), mit Pestepidemien, Einquartierungen und Kontributionsleistungen, brachte Armut und Elend in die Stadt und ließ sie zu einer unbedeutenden Ackerbürgerstadt absinken.
Eines der schönsten Bürgerhäuser, mit einem reich verzierten Renaissance-Giebel versehen, ist das Krüwelhaus an der unteren Breiten Straße. Besser bekannt ist dieses Gebäude unter dem Namen Hexenbürgermeisterhaus und erinnert damit an die dunkelste Zeit in Lemgos Geschichte. Hier wohnte im 17. Jahrhundert Bürgermeister Hermann Cothmann (1629–1683), der eine führende Rolle bei der Hexenverfolgung spielte. Die Folgen des Dreißigjährigen Krieges und von Pestepidemien führten zu den Hexenprozessen, bei denen zahlreiche unschuldige Frauen und Männer der Zauberei angeklagt wurden. Sich gegen diesen Vorwurf zu wehren, war praktisch unmöglich, denn unter der Folter, Peinliche Befragung genannt, wurde von jedem ein Geständnis erzwungen. Danach verbrannte man die der Hexerei überführten Delinquenten auf dem Scheiterhaufen. Bis zum Jahr 1681 verloren auf diese Weise allein in Lemgo 272 Frauen und Männer ihr Leben, darunter Pfarrer Andreas Koch. Damit nahm die Stadt in Lippe eine Sonderstellung ein und bekam den Beinamen Lemgo, das Hexennest. Die letzte Person, die in einem Hexenprozess 1681 angeklagt wurde, war Maria Rampendahl. Sie widerstand der Folter und kam mit dem Leben davon, musste aber die Stadt und das Land verlassen. Im Hexenbürgermeisterhaus befindet sich ein Museum, in dem bis vor wenigen Jahren Nachbauten der damals eingesetzten Folterinstrumente ausgestellt waren. Im Stadtarchiv Lemgo sind die entsprechenden Hexenprozessakten und weitere Dokumente zur Stadtgeschichte einsehbar.
Am 18. Juni 2012 hat der Rat der Stadt Lemgo bestätigt, dass durch den Ratsbeschluss zur Errichtung des „Steins des Anstoßes“ (Denkmal für Maria Rampendahl) vom 20. Januar 1992 in Lemgo die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert worden sind.

Neuzeit und Industrialisierung
Die Ackerbürger- und Handwerkerstadt konnte nicht mehr an den wirtschaftlichen Erfolg der Hansezeit anknüpfen. Inzwischen hatte sich Detmold zur Residenzstadt entwickelt, die Lemgo an Bedeutung und Einwohnerzahl alsbald überflügelte. Leineweberei und -handel hatten keine Bedeutung mehr, und andere Gewerbezweige, wie zum Beispiel der Bau von Kutschen und Pferdewagen, die Herstellung von Meerschaumpfeifen und die Tabakindustrie konnten wirtschaftlich keine Akzente setzen. 1664 wurde von den Brüdern Albert und Heinrich Meyer eine Buchdruckerei gegründet, aus der die spätere Meyersche Hofbuchhandlung hervorging. Besonders erfolgreich waren im 18. Jahrhundert die Reisebeschreibungen von Engelbert Kaempfer über Persien, Indien und Japan. Dieser Erfolg in der Druck- und Verlagsarbeit verhalf der Stadt zu dem Beinamen Westfälisches Leipzig.
Engelbert Kaempfer (1651–1712), nach dem ein Gymnasium in Lemgo benannt ist, gehört zu den bedeutendsten Söhnen der Stadt. Ab 1682 erkundete er als einer der ersten deutschen Forschungsreisenden Persien, Indien, Java und schließlich Japan, dessen Kultur, Fauna und Flora er als erster Europäer beschrieb.
Bis in das 16. Jahrhundert war Lemgo das Zentrum des lippischen Leinengewerbes, wurde aber von Bielefeld und Osnabrück in dieser Rolle abgelöst. Erst Mitte des 18. Jahrhunderts wandte sich die Kaufmannsfamilie Kracht aus Lemgo wieder dem Leinenhandel zu, bis sie schließlich 1887/88 eine von zwei lippischen Leinenfabriken in Lemgo errichtete.
Durch den Anschluss an das Eisenbahnnetz im Jahr 1896 dehnte sich die Stadt weiter aus. Wohnhäuser und Gewerbebetriebe wurden außerhalb der Wälle errichtet. Der westliche Teil des Walles wurde abgetragen, und eine breite Straße führte direkt zum Bahnhof im Süden der Stadt. In den Jahrzehnten danach entwickelten sich aus Handwerksbetrieben die ersten Möbelfabriken, und bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war die Möbelindustrie der beherrschende Industriezweig.

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
Wie überall in Deutschland wurden auch in Lemgo Sozialdemokraten und andere unbequeme Bürger aus öffentlichen Ämtern gedrängt. Die NSDAP setzte einen neuen Stadtrat ein, Bürgermeister Wilhelm Gräfer (1885–1945) durfte allerdings im Amt bleiben. Der Schneider Willy Langenberg war Mitglied der KPD und leistete aktiven Widerstand gegen die Nazis. Wegen politischer Delikte musste er von 1934 bis 1939 eine Zuchthausstrafe verbüßen und stand nach seiner Entlassung unter Beobachtung der Gestapo. 1941 ging er in den Untergrund und beging im März 1944 nach einem Feuergefecht mit der Polizei in aussichtsloser Lage Suizid.
In der Reichspogromnacht 1938 wurde die Lemgoer Synagoge angezündet, das Fotoatelier des Juden Erich Katzenstein wurde zerstört, in den Wohnungen von Mathilde Lenzberg und der jüdischen Familie Frenkel wurden Fensterscheiben eingeschlagen, bei Familie Davidsohn wurde eine Tür aufgebrochen. „Sichergestellt wurden die schweren eisernen Tore des Judenfriedhofs auf Anordnung des Herrn Bürgermeisters“ (Wilhelm Gräfer). Der alte jüdische Friedhof wurde „geschleift“, „auf dem neuen jüdischen Friedhof wurden in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 sieben Denkmäler umgeworfen.“ Von den 1933 in Lemgo lebenden 65 sogenannten Volljuden wurden am 28. Juli 1942 die letzten 22 im Auto nach Bielefeld gebracht und von dort in das KZ Theresienstadt deportiert. So auch Emilie Davidsohn, Erich Katzenstein, Mathilde Lenzberg, Karla Raveh und Adolf Sternheim.[22] Nur drei der Deportierten überlebten den Holocaust. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Deutschland (1933–1945) verzeichnet namentlich 38 jüdische Einwohner Lemgos, die deportiert und größtenteils ermordet wurden.
Die Stadt überstand den Zweiten Weltkrieg bis zum Frühjahr 1945 nahezu unbeschadet. Am 3. April 1945 näherte sich von Süden her die 2. US-Panzerdivision. Zu dieser Zeit befand sich in der Bleidornkaserne (später Spiegelbergkaserne) kurzzeitig der Gefechtsstand von General Paul Goerbig und dem ihm unterstellten Kampfkommandanten von Lemgo, Hauptmann Walter Heckmann. Am Rieper Berg und bei Hörstmar wurden Panzersperren gegen die anrückenden US-Panzer vorbereitet. Lemgo sollte bis zum letzten Mann verteidigt werden. Der Fabrikant Lüpke und Bürgermeister Wilhelm Gräfer wollten mit den US-Truppen unter Lieutenant Colonel Hugh R. O’Farrell bei Hörstmar eine Übergabe der Stadt verhandeln. Bei der Rückkehr wurden beide von Hauptmann Heckmann verhaftet. Lüpke konnte bei einer Transportfahrt fliehen, Bürgermeister Gräfer wurde am 4. April in Lügde vor ein Standgericht gestellt, von General Goerbig zum Tode verurteilt und am folgenden Morgen in Bodenwerder durch SS-Soldaten auf dem Marktplatz hingerichtet. Der westliche Teil Lemgos geriet unterdessen unter Beschuss, und 27 deutsche Soldaten fielen im Stadtgebiet, das am Abend des 4. April 1945 von US-Truppen eingenommen wurde. Zwischen Lemgo und Groß-Berkel gerieten 603 Wehrmacht-Soldaten in Kriegsgefangenschaft.

Entwicklung seit 1945
Lemgo kam nach Kriegsende zur britischen Besatzungszone und unterstand dem Kommandanten Harwey, der den Landrat a. D. Clemens Becker als Bürgermeister der Stadt einsetzte.
Ab April 1945 unterhielt die Britische Rheinarmee (BAOR) die Stornoway Barracks, die ehemalige Bleidornkaserne. Am 15. März 1946 wurde durch die Britische Kontrollkommission die Einrichtung der „Deutschen Beratungsstelle für Arbeits-, Wohnungs- und Siedlungswesen“ (German Labour and Housing Agency) mit Sitz in Bad Oeynhausen angeordnet, und im Juli 1946 der frühere Präsident des Landesarbeitsamtes Nordrheinprovinz, Hermann Link, mit dem Aufbau der Dienststelle beauftragt. Als ihre vorgesetzte Dienststelle, die Manpower Division of the Control Commission for Germany (British Element) nach Lemgo umsiedelte, wurde am 12. Juli 1946 die Beratungsstelle dorthin verlegt und in den Stornoway Barracks untergebracht. Nach der Schließung des britischen Militärstützpunktes am 24. August 1993 wurden die Einrichtungen in moderne Wohngebäude umgewandelt.
Um 1950 wurden einige Betriebe der Elektro- und Beleuchtungsindustrie gegründet, die sich zu größeren Unternehmen entwickelten. Das gilt auch für ein ständig wachsendes Werk der Dentalindustrie. Längst war das Gebiet in der Grevenmarsch zu klein für die Zahl der neuen Betriebe geworden, und so wurden große Flächen nördlich von Lieme als Industriegebiet ausgewiesen. Von der einst dominierenden Möbelindustrie sind nur noch wenige Betriebe übriggeblieben.
Die Bevölkerungszahl der Stadt erhielt nach dem Krieg überwiegend durch Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten starken Zuwachs und erreichte 1949 fast 20.000 Einwohner gegenüber 13.489 im Jahr 1939. Nach der Eingliederung von 13 bisher selbständigen Gemeinden durch die Gemeindereform zählte Lemgo am 1. Januar 1969 fast 38.000 Einwohner.
Die heutige Kernstadt hat sich gemeinsam mit Brake in den letzten Jahrzehnten zu einem Zentrum für Kultur und Wirtschaft entwickelt. Mit seinem spätmittelalterlichen Stadtbild ist Lemgo das Ziel zahlreicher Touristen, die alljährlich die Stadt besuchen. Verantwortlich für den Erhalt und die Pflege des alten Stadtbildes ist der Verein Alt Lemgo, der am 27. August 1920 gegründet wurde. In den 1920er Jahren wurden unter der Leitung von Karl Meier erstmals die bedeutendsten Fachwerkfassaden freigelegt, die unter Verputz versteckt waren. Nach dem Krieg wurde die Stadtbildpflege fortgesetzt, und seit 1920 wurden mehr als 300 Objekte betreut, einschließlich Beratungen und der Einwerbung und Zuteilung von Zuschüssen.

Eingemeindungen
Nach dem Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Lemgo (Lemgo-Gesetz) wurden am 1. Januar 1969 die Stadt Lemgo sowie die Gemeinden Brake in Lippe, Brüntorf, Entrup, Leese, Lieme, Lüerdissen, Matorf, Voßheide, Welstorf, Wiembeck und Wahmbeck zur neuen Stadt Lemgo zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1970 wurden mit dem Detmold-Gesetz die Gemeinden Hörstmar und Trophagen aus dem Kreis Detmold der Stadt Lemgo zugeschlagen. Seit dem 1. Januar 1973 gehört die Stadt Lemgo zum neuen Kreis Lippe, der die ehemaligen Kreise Lemgo und Detmold vereint.

Einwohnerentwicklung
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen der Stadt nach dem jeweiligen Gebietsstand, bei einigen Zahlen zusätzlich nach heutigem Gebietsstand. Bei den Zahlen handelt es sich vor 1818 um ungefähre Angaben, von 1818 bis 1970 und für 1987 um Volkszählungsergebnisse und ab 1975 um amtliche Fortschreibungen des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik. Die Zahlen von 1975 bis 1985 sind geschätzte Werte, die Zahlen ab 1990 Fortschreibungen auf Basis der Ergebnisse der Volkszählung von 1987. Die Angaben beziehen sich ab 1871 sowie für 1946 auf die Ortsanwesende Bevölkerung, ab 1925 auf die Wohnbevölkerung und ab 1985 auf die Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung. Vor 1871 wurden die Einwohnerzahlen nach uneinheitlichen Erhebungsverfahren ermittelt.

Religionen
Bereits 1518 wurden Luthers Thesen vom späteren Bürgermeister Ernst von Wipper und anderen von der Kanzel verlesen, und der Ort entwickelte sich neben Lippstadt zu einem Zentrum der Reformation. In den folgenden Jahren besuchten immer mehr Bürger den evangelischen Gottesdienst und sangen vor und nach der Predigt deutsche statt lateinische Kirchenlieder. Obwohl der lippische Landesherr Simon V. die Reformation ablehnte, konnte er die selbstbewussten Lemgoer Bürger nicht einschüchtern. Im Jahr 1537 wurde die Braunschweiger Kirchenordnung des Reformators Johannes Bugenhagen offiziell angenommen. Lippe wandte sich im 17. Jahrhundert unter Simon VI. dem Calvinismus zu, dem sich Lemgo in einer zweiten Reformation offen widersetzte. Die Stadt konnte sich vor Gericht durchsetzen und blieb lutherisch. Im sogenannten Röhrentruper Rezess wurden die Streitigkeiten zwischen der größten Stadt Lippes und dem Landesherrn beigelegt, ihre Bürger mussten aber die Herrschaft der lippischen Grafen weiterhin anerkennen.
Die Mehrheit der heutigen Bevölkerung Lemgos gehört historisch bedingt zur lutherischen "Klasse" der mehrheitlich evangelisch-reformierten Lippischen Landeskirche. In Lemgo gibt es sowohl evangelisch-lutherische als auch evangelisch-reformierte Kirchengemeinden. Die beiden evangelisch-reformierten Kirchengemeinden in Lemgo sind St. Johann und St. Pauli. Darüber hinaus gibt es drei evangelisch-lutherische Kirchengemeinden, die mit den übrigen lutherischen Kirchengemeinden Lippes einen eigenen Kirchenkreis, in Lippe "Klasse" genannt, bilden und ebenfalls zur Landeskirche gehören: St. Nicolai, St. Marien und Eben-Ezer. Alle Kirchen gehören der Lippischen Landeskirche an, teilen sich aber in die Klassen lutherisch und Brake (reformiert) auf.
Die einzige römisch-katholische Kirchengemeinde feiert ihre Gottesdienste in der Heilig-Geist-Kirche. Mit vier weiteren Gemeinden gehört sie zum Pastoralverbund Lemgo-Nordlippe im Dekanat Bielefeld-Lippe des Erzbistums Paderborn.
Für die Moslems im Stadtgebiet gibt es die Türkische Ahmet-Yesevi-Moschee, die zur Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DİTİB) gehört.
Ein Indiz für die Verteilung der Religionen kann die konfessionelle Zugehörigkeit der Lemgoer Schüler sein. Demnach sind rund 68 % der Schüler evangelisch, 10 % katholisch, 4 % islamisch. 7 % geben an, einer sonstigen Konfession anzugehören, 11 % rechnen sich keiner Konfession zu
Wappen

Blasonierung:
„Das Wappen stellt auf silbernem Schilde eine blaue fünfblättrige Rose mit goldenem
Butzen, jedoch ohne Kelchblätter, dar.“  

Wappenbegründung:
Bei der Neuordnung der Stadt Lemgo zum 1. Januar 1969 wurde mit Genehmigung vom 20. Januar 1972 das frühere Stadtwappen übernommen. Die erste Darstellung der Rose
ist für 1248 im Hauptsiegel der Stadt Lemgo nachgewiesen, das um 1200 entstanden ist. Aus dem Sekretsiegel der Stadt wurde im 14. Jahrhundert das Stadtwappen entwickelt. Sekretsiegel waren im Spätmittelalter allgemein als Kontrollsiegel verbreitet. Seit dem 16. Jahrhundert lässt sich die Farbe Blau für die Rose nachweisen. Die Farbe wurde mutmaßlich als Unterscheidung zur roten Lippischen Rose gewählt.


Städtepartnerschaften
Die Abteilung Biologie der Université de Technologie der Lothringer Stadt Vandœuvre-lès-Nancy suchte 1973 für den Studentenaustausch eine gleichartige Fachhochschule in Deutschland und fand in der damaligen Fachhochschule Lemgo (heute: Hochschule Ostwestfalen-Lippe) den entsprechenden Partner. Noch im selben Jahr fand der erste Austausch statt. Die Besuche waren von offiziellen Empfängen in den Rathäusern begleitet, so dass sich der Bürgermeister von Vandœuvre für eine Ausweitung der Partnerschaft auf die Städte aussprach. Ab 1976 besuchten sich Delegationen der beiden Städte gegenseitig. Die Beziehungen konnten sich schnell auf Schulen und Vereine ausweiten. Im Oktober 1978 wurde die Städtepartnerschaft in Vandœuvre und am 19. Mai 1979 in Lemgo offiziell vereinbart.
Da zwischen dem ehemaligen Kreis Lemgo und East Riding of Yorkshire in England bereits eine Partnerschaft bestand, entwickelten sich die ersten Kontakte von Lemgo und der Stadt Haltemprice, später Beverley. Schnell fand Schüleraustausch statt, und die Sportvereine und Musikgruppen pflegten Kontakte. Der Rat der Stadt Beverley beschloss am 26. April 1979, eine Partnerschaft mit Lemgo einzugehen.
Bei den Jubiläumsfeierlichkeiten wurden am 19. Mai 1979 in Lemgo die Partnerschaftsurkunden mit Vandœuvre und Beverley unterzeichnet.
Eine Lemgoer Delegation reiste im August 1985 anlässlich der 40. Jahrestags des Atombombenabwurfs auf Hiroshima nach Japan. Dort traf man auf eine Delegation der DDR. Ein Telegramm von Erich Honecker, in dem er auf die Bedeutung der Konferenz und die wichtige Rolle der Städte und Gemeinden bei der Friedenssicherung hinwies, beantwortete der damalige Lemgoer Bürgermeister Wilmbusse, und er schlug vor, eine Partnerschaft mit einer Stadt in der DDR einzugehen. Eine Reise nach Ost-Berlin führte auch nach Stendal, wo die Lemgoer Delegation viele Gemeinsamkeiten mit ihrer Heimatstadt entdecken konnte. Es wurden erste Kontakte in Stendal geknüpft. Weitere gegenseitige Besuche folgten, und so wurde am 9. Oktober 1988 die Partnerschaft besiegelt. Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurde die Partnerschaft zwischen Lemgo und Stendal am 3. Oktober 1990 durch einen erneuten Vertrag im Lemgoer Rathaus bekräftigt.
Die Stadt ist Patenstadt für das Panzergrenadierbataillon 212 im ebenfalls lippischen Augustdorf.
Darüber hinaus ist Lemgo Mitglied des Städtebundes der Neuen Hanse.

Infrastruktur, Wirtschaft und Wissenschaft
Digitalisierung
Auf Initiative von Jürgen Jasperneite betreibt das Lemgoer Fraunhofer Institut seit Anfang 2018 mit weiteren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft das Reallabor "LemGO Digital" als offene Innovationsplattform für die digitale Transformation von Mittelstädten.[54] Die Infrastruktur wird von Unternehmen, IoT-Startups, Kommunen und Forschungseinrichtungen genutzt, um gemeinsam mit Bürgern als "Alltagsexperten" innovative Produkte und datenbasierte Dienste in den Handlungsfeldern Mobilität, Einzelhandel und Umwelt umzusetzen. Die Alte Hansestadt Lemgo steht dabei modellhaft für die über 180 Mittelstädte in NRW, in denen die Hälfte aller Menschen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes leben.

Verkehr
Straßenverkehr
In Lemgo kreuzen sich die Bundesstraßen 66, die Ostwestfalenstraße und die 238. Die nächstgelegene Autobahn ist die A 2, die etwa 18 Kilometer westlich von Lemgo verläuft und über die Anschlussstelle Ostwestfalen-Lippe erreicht werden kann. Sie nimmt in erster Linie den Ostwestverkehr auf. Die geplante Autobahnanbindung an die A 35 und die Verlängerung der A 5 von Bremen nach Lemgo wurden verworfen.

Schienen- und Busverkehr
Der Bahnhof Lemgo und die Haltepunkte Lemgo-Lüttfeld (Hochschule OWL) sowie Hörstmar liegen an der eingleisigen, nicht elektrifizierten Begatalbahn (KBS 404[55]). Die Strecke wird im Stundentakt von der RB 73 Der Lipperländer nach Lage–Oerlinghausen–Bielefeld Hbf bedient. Der östlich des Bahnhofs Lemgo gelegene Haltepunkt Lemgo-Lüttfeld in der Nähe der Hochschule, des Berufskollegs und der Lipperlandhalle wurde am 28. Juli 2007 eröffnet. Dadurch verlängerte sich der von Regionalbahnen bediente Abschnitt der Begatalbahn um 900 Meter. Die Strecke nach Hameln wurde 1980 für den Personenverkehr stillgelegt, eine Wiederinbetriebnahme bis Barntrup ist geplant, wurde aber auf längere Sicht verschoben. Im westlichen Ortsteil Hörstmar befindet sich ein weiterer Haltepunkt. Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der Eurobahn, die Diesel-Triebwagen vom Typ Bombardier Talent einsetzt.
Im Straßenpersonennahverkehr betreiben die Stadtwerke Lemgo seit 1994 ein Stadtbusnetz mit fünf Linien. Am Ende der Fußgängerzone wurde dafür vor der Kirche St. Johann ein überdachter Busbahnhof errichtet, der als Umsteigepunkt für alle Stadtbuslinien dient. Das Stadtbusnetz gilt mit seinen über zwei Millionen Fahrgästen pro Jahr als eines der erfolgreichsten Busnetze einer Mittelstadt in Deutschland und wird in der Fachwelt als Vorzeigeprojekt betrachtet.

Am Bahnhof Lemgo halten Regionalbusse und eine Stadtlinie. Die Abfahrt der Busse ist mit dem Zugfahrplan abgestimmt. Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr gilt der Westfalentarif und der NRW-Tarif.

Flugverkehr
Nächster Sonderflugplatz ist der südlich von Lemgo gelegene Flugplatz Detmold. Hier können Segelflugzeuge starten. Der größte Segelflugplatz in Lippe befindet sich in Oerlinghausen. Auf dem westlich gelegenen Flugplatz Bielefeld und dem nördlich gelegenen Flugplatz Porta Westfalica können kleinere Maschinen starten und landen.
Die nächstgelegenen internationalen Flughäfen sind der Flughafen Paderborn/Lippstadt 50 km im Süden, der Flughafen Hannover in 70 km Entfernung im Nordosten, der Flughafen Münster/Osnabrück 85 km Entfernung im Westen und der Flughafen Dortmund in etwa 105 km Entfernung im Südwesten.

Fahrradverkehr
Lemgo wird von einigen überregionalen Fahrradwegen gekreuzt. So liegt die Stadt an der BahnRadRoute Weser-Lippe, der BahnRadRoute Hellweg-Weser und zwischen Bad Salzuflen und Detmold an der Wellness-Radroute Teutoburger Wald. Im Verlauf innerstädtischer Radrouten mit dem Wallring als Verteiler wurden mehrere Fahrradstraßen eingerichtet. Die Stadt ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen (AGFS).

Wirtschaft
Die Stadt verfügt über die Gewerbegebiete Grevenmarsch, West, Liemer Weg und Laubke. Das Gebiet West erstreckt sich über 35 Hektar und liegt etwa 4 km westlich der Stadt. Das reine Industriegebiet ist direkt an die L 712 angeschlossen. In neun Kilometern Entfernung liegt die A 2-Auffahrt Ostwestfalen-Lippe. Das Gebiet Laubke bietet auch Mischgebietsflächen für die Ansiedlung von Unternehmen. Es ist zehn Hektar groß und liegt etwa 1,5 km südwestlich des Stadtkerns. Verkehrstechnisch ist das Gebiet an die B 238 und an die B 66 angeschlossen.
Die Wirtschaftsstruktur in Lemgo ist aus verschiedenen Branchen vermischt. So bestehen eine Vielzahl von Handwerksbetrieben. Die dominierenden Branchen der Industrie sind die Metallverarbeitung, die Fabrikation von Dentalinstrumenten, der Maschinenbau und der Dienstleistungsbereich.

Ansässige Unternehmen
Die Zumtobel Licht GmbH mit Hauptsitz in Österreich stellt in Lemgo Beleuchtungssysteme her.
Die Firma Gebr. Brasseler fertigt mit etwa 1000 Mitarbeiter in Lemgo Dentalinstrumente.
Mit der Isringhausen GmbH & Co. KG ist ein Hersteller der ISRI-Fahrersitze für LKW, Busse und Nutzfahrzeuge in Lemgo angesiedelt.
Die HOMAG Kantentechnik GmbH ist Teil der HOMAG Group und fertigt Kantenanleimmaschinen für das Holzhandwerk.
Die Stiftung Eben-Ezer ist eine diakonische Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung und psychischen Beeinträchtigungen mit Sitz in Lemgo.
Die Sparkasse Lemgo hat hier ihren Hauptsitz und unterhält Filialen in den Städten und Gemeinden Bad Salzuflen, Dörentrup, Extertal, Kalletal, Leopoldshöhe und Oerlinghausen.

Medien
Die einzige Lokalzeitung, die über den gesamten Kreis Lippe berichtet, ist die Lippische Landes-Zeitung. Ende 2003 wurde die Lippische Rundschau eingestellt, seitdem gibt es nur noch einen Ableger des Westfalen-Blattes in Schlangen. Weiter erscheint in Lemgo die Lippische Wochenschau und zweimal wöchentlich die Gratiszeitung Lippe aktuell.
Radio Lippe sendet lokale Nachrichten aus dem Kreis Lippe. Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe betreibt Radio Triquency als eigenes Campusradio und hat sein Hauptsendestudio in Lemgo. Es berichtet über die Hochschule und die Region.

Öffentliche Einrichtungen
Der Landesverband Lippe hat seinen Sitz im Schloss Brake, er verwaltet unter anderem das Vermögen des ehemaligen Freistaates und Landes Lippe. Der Sitz des Landesverbandes wurde von Detmold nach Lemgo verlegt, da Detmold Sitz des neuen Kreises Lippe wurde.
Die Stadtbücherei Lemgo verfügt auf 1000 m² über 50.000 Medieneinheiten.
Seit 1870 besteht die Freiwillige Feuerwehr Lemgo. Heute umfasst sie 7 Standorte im Stadtgebiet. In der Hauptwache in Lemgo sind 11 Fahrzeuge stationiert. In den Ortsteilen Kirchheide, Lüerdissen, Lieme, Hörstmar, Brake, Voßheide und Wahmbeck stehen insgesamt weitere 15 Fahrzeuge. 70 Jugendliche sind in der Jugendfeuerwehr Lemgo organisiert.
Der Kreis Lippe unterhält ein Feuerwehrausbildungszentrum in Lemgo, gleichzeitig ist dort die Kreisleitstelle für Rettungsdienst und Feuerwehr untergebracht. Das THW ist seit 1952 in der Hansestadt vertreten. Es unterhält einen technischen Zug mit der Fachgruppe Trinkwasserversorgung sowie eine Jugendgruppe. Aus den beiden Organisationen werden je sieben Personen in die Technikgruppe des Notfallsystems entsandt, das mit insgesamt 23 Helfern für die schnelle medizinische Versorgung Verletzter bei Großschadenslagen zuständig ist. Das Notfallsystem wird im gesamten Gebiet des Kreises Lippe und auf Anforderung in den Nachbarkreisen eingesetzt.
Die Stadtwerke Lemgo betreiben zwei Heizkraftwerke für die Strom- und Wärmeerzeugung, Windkraftwerke, Wasserkraftanlagen an der Bega, den städtischen Linienbusverkehr, die städtischen Parkplätze und das Freizeitbad Eau-Le.
Die Phoenix Contact Arena (ehemals Lipperlandhalle) ist ein regionales Sport-, Kultur- und Kongresszentrum. In der Halle trägt der TBV Lemgo den Großteil seiner Heimspiele in der Handballbundesliga aus. Daneben finden hier Musik- und Unterhaltungsveranstaltungen statt. Weiterhin nutzt die Hochschule Ostwestfalen-Lippe die Phoenix Contact Arena für Lehrveranstaltungen und Tagungen.
Das Kommunale Rechenzentrum Minden-Ravensberg/Lippe (krz) mit Sitz in Lemgo ist ein als kommunaler Zweckverband organisierter Informations- und Kommunikationsdienstleister der drei Kreise Herford, Lippe und Minden-Lübbecke sowie der meisten ihrer 36 Städte und Gemeinden.
Das Amtsgericht Lemgo hat seinen Sitz in der Stadt und ist für die Städte Bad Salzuflen und Lemgo sowie für die Gemeinden Dörentrup, Extertal, Kalletal und Leopoldshöhe zuständig. Außerdem ist Lemgo Sitz eines Finanzamtes.
Die Klinikum Lippe GmbH unterhält das Klinikum Lippe Lemgo in der Stadt.

 
Engelbert-Kaempfer-Gymnasium
Neben den städtischen Grundschulen Kampstraße, Kirchheide und Südschule, gibt es zwei Grundschulverbünde. Der Grundschulverbund Schule am Schloss umfasst die ehemals selbstständigen Grundschulen Brake und die Ostschule. Der Grundschulverbund Lemgo-West besteht aus den ehemals selbstständigen Schulen Lieme und Hörstmar. Daneben gibt es die private August-Hermann-Francke-Schule. An allen städtischen Grundschulen gibt es Betreuungsangebote (OGS und Verlässliche Grundschule) in Trägerschaft des DRK-Lippe. An der Südschule wird jahrgangsübergreifend (1–3) unterrichtet, zudem sind Ganztagsklassen eingerichtet. Zu den weiterführenden Schulen gehören die Heinrich-Drake-Hauptschule, die städtische Realschule, das Engelbert-Kaempfer-Gymnasium und das Marianne-Weber-Gymnasium sowie die Karla-Raveh-Gesamtschule. Berufliche Schulbildung wird im Lüttfeld-Berufskolleg und im Hanse-Berufskolleg vermittelt. Weitere Einrichtungen sind die Förderschulen Astrid-Lindgren-Schule (Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung) im Ortsteil Leese und die Anne-Frank-Schule (Förderschwerpunkt Lernen) in der Nähe des Stadtzentrums.
Im Jahr 2007 wurden an den allgemeinbildenden Schulen der Stadt mit 492 Lehrkräften insgesamt 6938 Schüler unterrichtet, davon 27,6 % an den Grundschulen, 8,2 % an den Hauptschulen und 12,7 % an der Realschule, 27,4 % an den Gymnasien, sowie 18,3 % an der Gesamtschule und 5,8 % an den Förderschulen.
In der Bibelschule Brake erfolgt eine theologische Ausbildung mit einem im freikirchlichen Bereich anerkannten Abschluss. Mit ca. 150 Schülern und 27 Mitarbeitern gehört sie zu den größeren evangelikal orientierten Ausbildungseinrichtungen im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 1959 von John Parschauer, Ernest Klassen und Heinz Weber gegründet und hatte seitdem ca. 2000 Absolventen.
 
Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo

Wissenschaft
Hochschule
Die Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo, Detmold, Höxter und Warburg hat ihren Schwerpunkt im Bereich der Ingenieurwissenschaften. Darüber bestehen Studiengänge, die andernorts in Nordrhein-Westfalen nicht vertreten sind, wie der Fachbereich 4 Life Science Technologies mit den Studiengängen Biotechnologie, Lebensmitteltechnologie, Pharmatechnik und Technologie der Kosmetika und Waschmittel.

Forschung
An der Hochschule Ostwestfalen-Lippe wird insbesondere Forschung auf dem Gebiet der industriellen Informationstechnik und der Lebensmittelsicherheit betrieben. Diese beiden Profilbereiche wurden als Kompetenzplattformen vom Land NRW gefördert. Durch Privatinvestoren wurde auf dem Campus der Hochschule 2009/2010 das Forschungs- und Entwicklungszentrum Centrum Industrial IT errichtet, in dem etwa 350 Experten aus Forschungseinrichtungen und Hightech-Unternehmen an neuen Konzepten der IT-basierten industriellen Automatisierungstechnik unter einem Dach arbeiten. Seit Oktober 2009 ist im CIIT die außeruniversitäre Forschungseinrichtung Fraunhofer IOSB-INA angesiedelt. Mit der 2016 eröffneten Forschungsfabrik SmartFactoryOWL ist ein Kompetenzzentrum für die intelligente Automation entstanden.

Innovation Campus Lemgo
2016 wurde mit dem Innovation Campus Lemgo ein neues Großprojekt bekanntgegeben. Es soll ein neues Ökosystem für die digitale Wirtschaft in Ostwestfalen-Lippe entstehen, dass vorhandene und neue Akteure im Umfeld der Hochschule durchgängig entlang der Innovationskette Bildung – Forschung – Wirtschaft vernetzt. Hierzu werden die beiden Berufskollegs, das Fraunhofer IOSB-INA, die Hochschule OWL, Transferzentren (wie SmartFactoryOWL) und Science2Business-Zentren (wie Centrum Industrial IT) eng zusammenarbeiten. Mit der Phoenix Contact Arena steht auf dem Campus eine multifunktionelle Veranstaltungslocation zur Verfügung. Bisherige Flächen sollen aufgewertet, neue Plätze mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen sowie weitere Forschungseinrichtungen und Unternehmen angesiedelt werden.
Sagen
Der Sage nach hätte im Jahr 1675 der Fürstbischof von Münster, Christoph Bernhard von Galen, die befestigte Stadt Lemgo belagert, sie aber nicht erobern können. Da seien die Lemgoer übermütig geworden und schickten einen Ochsen zum Bischof. Auf einer Tafel zwischen den Hörnern des Ochsen hätten sie geschrieben: So wenig der Ochse kann lernen das Singen, kann Bernhard von Galen die Stadt Lemgo bezwingen. Der Bischof habe darauf geschworen, er wolle die Stadt zerstören und dem Erdboden gleichmachen und an ihrer Stätte Hafer säen. Der Bischof ließe dann das Wasser der Bega ableiten und schlösse die Stadt ein. Die Nahrungsmittel in der Stadt seien so knapp geworden, dass eine Hungersnot entstanden sei. Die Lemgoer Bürger hätten sich dem Bischof ergeben müssen. Der Bürgermeister und die Ratsmitglieder seien im Armesündergewand vor dem Bischof erschienen und hätten um Gnade gefleht. Der Bischof hätte sich rühren lassen und hätte auf die angedrohte Rache verzichtet. Um aber seinen Schwur zu halten, hätte er das Pflaster in einer Straße der Stadt aufreißen und mit Hafer besäen lassen. Dies soll der Grund sein, warum die Haferstraße bis heute ihren Namen trägt.

Persönlichkeiten
In Lemgo geborene Personen sind unter anderen der Aufklärungsphilosoph und Diplomat Christian Wilhelm Dohm (1751–1820), der Maler Simon Peter Tileman (1601–1688) sowie Engelbert Kaempfer (1651–1716), der Begründer der Japanologie, nach dem eine Schule in Lemgo benannt wurde, weiterhin der Maler, Bildhauer und Architekt Karl Junker (1850–1912), außerdem der Ehrenbürger und lippische Politiker Heinrich Drake (1881–1970), der das Land Lippe nach dem Zweiten Weltkrieg in das Land Nordrhein-Westfalen integriert hat. Gebürtige Lemgoerin ist die Ehrenbürgerin Karla Raveh (1927−2017), die als Jüdin aus Lemgo deportiert wurde und Auschwitz überlebte.

Personen, die zwar nicht in der Stadt geboren, aber durch ihr Leben, ihre Arbeit und ihr Wirken eng mit Lemgo verbunden sind: Bernhard II. (um 1140–1224), Regent des Landes Lippe, Bruno Wagener-Köhler († 1988), Verlags- und Zeitungsinhaber F. L. Wagener Lemgo, sowie Gerhard Schröder (* 1944), Bundeskanzler von 1998 bis 2005, der in Lemgo nach dem Besuch der Volksschule eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann durchlief.
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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