Westfalen's Geschichte - Haxter-Chronik

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Westfalen's Geschichte
Die Geschichte Westfalens behandelt die Entwicklung dieser historischen Landschaft im Westen Deutschlands.
Der Begriff Westfalen bezeichnete am Beginn seiner Geschichte als Siedlungsgebiet des sächsischen Teilstamms der „Westfalai“ einen einigermaßen klar abgegrenzten historischen Raum. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit gab es zwar starke kulturelle und sprachliche Gemeinsamkeiten innerhalb dieses Gebiets, politisch war es aber seit dem Frühmittelalter territorial zersplittert. Den sächsischen Herzögen gelang es bis zum Ende des alten Herzogtums Sachsen (1180) nicht, eine zentrale politische Ordnung zu schaffen. Als Rechtsnachfolger scheiterten daran auch die Kölner Erzbischöfe, die als Herzöge von Westfalen nur ein vergleichsweise kleines Gebiet im Süden kontrollieren konnten. Die Unterschiede verstärkten sich mit der konfessionellen Spaltung in protestantische und katholische Territorien. Das napoleonische Königreich Westphalen griff zwar auf den Namen zurück, umfasste aber nur einige als westfälisch geltende Gebiete. Erst mit der preußischen Provinz Westfalen entstand ein einheitliches politisches Gebilde. Wie der heutige Landesteil von Nordrhein-Westfalen war die Provinz deutlich kleiner als das „kulturelle Westfalen“ der frühen Neuzeit.

Vor- und Frühgeschichte
Westfalen ist eine alte Kulturlandschaft. Erste Spuren einer menschlichen Besiedlung sind von Neandertalern aus der Altsteinzeit bekannt. Aus der Mittelsteinzeit stammen die ältesten Skelettfunde von anatomisch modernen Menschen, deren Alter durch die C14-Methode (Radiokohlenstoffdatierung) auf mehr als 10.700 Jahre datiert wird. Die Jungsteinzeit ist mit besonders gut erhaltenen Skelettresten der Michelsberger Kultur belegt und mit Megalithanlagen der Trichterbecherkultur und der Wartbergkultur. Insgesamt finden sich die Reste oder Hinweise auf 15 Ganggräber und 17 Galeriegräber. Die während der Jungsteinzeit in Westfalen lebenden Menschen profitierten vom Bergbau auf Feuerstein und anderen Rohstoffen. Steinwerkzeuge und Rohstoffe wurden über weite Entfernungen transportiert.
In der Römerzeit war das Gebiet von germanischen und keltischen Stämmen besiedelt. Der Versuch, es unter die direkte Herrschafts Roms zu bringen, scheiterte 9 n. Chr. nach der Varusschlacht. Die gerade gegründeten römischen Siedlungen östlich des Rheins verfielen wieder, aber es gab weiterhin erhebliche Handelsbeziehungen zwischen den römischen Provinzen links des Rheins und den unabhängigen Germanen östlich. Bis weit ins heutige Niedersachsen wurden schwere römische Mahlsteine aus Eifelbasalt und edle römische Bronzegefäße gefunden. Einige der seit dem 3. oder 4. Jahrhundert auch zwischen Weser und Rhein siedelnden Sachsen verdingten sich sogar als Söldner in römischen Legionen.

Frühmittelalter
Als historischer Begriff traten die Westfalen zuerst in den Reichsannalen Karls des Großen als Teilstamm der Sachsen hervor. In dem jahrzehntedauernden Krieg wurden die Sachsen und mit ihnen die Westfalen in den fränkischen Staat eingegliedert. Ein zentrales Mittel dazu war nach der militärischen Unterwerfung die Christianisierung des Landes durch Gründungen von Bistümern, Klöstern und Pfarrkirchen. Politisch wurde das Gebiet in Grafschaften eingeteilt, die überwiegend vom einheimischen Adel besetzt wurden. So wurde dem Besitzer der Grafschaft Lerigau, dem Grafen Heinrich I., im Jahr 955 der Titel eines Grafen von Westfalen verliehen. Sein Sohn Hermann I. gilt gesichert als Ahnherr der Grafen von Werl.

Mit den Worten SIGILLVM TREMONIE CIVITATIS WESTFALIE („Siegel Dortmunds, Stadt Westfalens“) umschrieb seit 1255 der Rat der Reichsstadt Dortmund sein Siegel.

In dieser frühen Zeit war Westfalen als Siedlungsgebiet der „Westfalai“ ein einigermaßen klar abgegrenzter historischer Raum. Dies hat sich in den folgenden Jahrhunderten deutlich geändert. Westfalen war zwar bis 1180 ein Teil des alten Herzogtums Sachsen; aber die Macht der Herzöge gegenüber Grafschaften und anderen weltlichen und geistlichen Territorien nahm ab, zumal die meisten dieser Territorien selber reichsunmittelbar waren oder wurden. Mit der Zerschlagung des alten sächsischen Herzogtums wurden die Kölner Erzbischöfe nominell zwar „Herzöge von Westfalen“; ihre weltliche Macht in Westfalen beschränkte sich jedoch weitgehend auf das „Herzogtum Westfalen“, ein Gebiet im südlichen Teil Westfalens. Diese territoriale Zersplitterung bestimmte während des gesamten Mittelalters und der frühen Neuzeit den westfälischen Raum. Der Begriff Westfalen wurde in dieser Zeit überwiegend im Hinblick auf die kulturellen und sprachlichen Gemeinsamkeiten gebraucht.
Für die Geschichte Westfalens wichtige Territorien waren die Hochstifte Münster, Paderborn und Minden und als Nebenland des Kurkölner Staates das Herzogtum Westfalen. Unter den weltlichen Herrschaften ragen die Grafschaften Mark, Tecklenburg und Ravensberg hervor. Dazu entstanden im Mittelalter und in der frühen Neuzeit das später außerhalb der Provinz Westfalen gelegene Land Lippe, das Bistum Osnabrück, die Grafschaften Bentheim und Lingen und einige weitere Gebiete. Daneben gab es noch zahlreiche kleinere weltliche und geistliche Herrschaften, wie die Stifte Herford und Corvey, die Grafschaften Limburg, Steinfurt und Hoya sowie die Herrschaft Rheda.

Hoch- und Spätmittelalter
Vor diesem territorial zersplitterten Hintergrund vollzog sich die politische Geschichte dieses Raumes während des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Die zunächst starken Grafen von Werl-Arnsberg büßten gegen die vordringende Macht der Erzbischöfe von Köln einen erheblichen Teil ihres Einflusses ein, ehe dieses Gebiet durch Schenkung 1368 ganz an Köln fiel. Das Konkurrenzverhältnis zwischen dem Erzbistum Köln und der aufstrebenden Grafschaft Mark führte in der Schlacht von Worringen zu einer Schwächung Kölns. Seither hat es keine wirklich dominierende Kraft im westfälischen Raum mehr gegeben, und die Grenzen änderten sich, von Ausnahmen abgesehen, nur durch Erbteilung oder das Erlöschen eines adeligen Hauses.

Neben den adeligen und geistlichen Territorialherren wuchs seit dem Hochmittelalter die Bedeutung der Städte. Dortmund stieg zur freien Reichsstadt auf, und die Fürstbischöfe des Hochstifts Paderborn und des Hochstifts Münster mussten vor den selbstbewussten Bürgern ihrer Hauptstädte in Residenzen im Umland ausweichen. In der Soester Fehde erstritt sich Soest mit seiner Börde die Unabhängigkeit von Köln. Die bedeutenden Städte betrieben zunehmend eine eigenständige Politik, gingen Bündnisse untereinander ein und schlossen sich der Hanse an.

Reformation, Konfessionalisierung und Dreißigjähriger Krieg
Einen tiefen Einschnitt bedeutete für Westfalen die Reformation. Sie trat gewissermaßen als Fortsetzung der selbstbewussten Politik der spätmittelalterlichen Traditionen als Städtereformation auf, ehe es den Landesherren gelang, ihre religiöse Position entweder als Befürworter der Reformation oder der Gegenreformation durchzusetzen. Auf den ersten Blick ein Sonderfall der Reformation im gesamteuropäischen Rahmen war das endzeitliche Täuferreich in Münster. Schaut man genauer hin begann diese Entwicklung jedoch als ein klassisches – wenn auch radikalisiertes – Beispiel der Städtereformation und endete mit dem Sieg des Bischofs als Durchsetzung der fürstlichen Macht. Sieht man von der Reichsstadt Dortmund ab, zeigte der Verlauf der Reformation, dass nunmehr die Landesherren gegenüber den Städten in einer deutlich stärkeren Position waren und begannen – mit unterschiedlichem Erfolg – die Mitregierung der Stände zurückzudrängen.
Die Reformation führte auf längere Sicht zu einer tiefgreifenden bis heute nachwirkenden konfessionellen und kulturellen Spaltung zwischen dem protestantischen und dem katholischen Westfalen. Während des Dreißigjährigen Krieges wurden auch Teile Westfalens von den direkten und indirekten Kriegsfolgen betroffen. Die Siege und Niederlagen der jeweiligen Seiten lösten einander ab. Aber unabhängig von der Konfession hatte die Bevölkerung unter Kontributionen, Plünderungen und Seuchen zu leiden. Der westfälische Doppelfriede von Münster und Osnabrück beendete den Krieg. Der Friedenskongress war ein europäisches Ereignis ersten Ranges. Der erste Erfolg war der Friede von Münster zwischen den Niederlanden und Spanien, der den 80-jährigen Freiheitskampf der Niederländer beendete.

Westfalen im 18. Jahrhundert
Grundsätzlich änderte sich aber am Gegensatz zwischen Katholiken und Protestanten kaum etwas. Durch Erbschaft war das Kurfürstentum Brandenburg inzwischen zur dominierenden Kraft im protestantischen Lager Westfalens aufgestiegen und besaß neben der Grafschaft Mark auch die Herrschaft über das ehemalige Bistum Minden und die Grafschaft Ravensberg. Während es Brandenburg-Preußen mehr oder weniger gelang, den absoluten Herrschaftsanspruch des Kurfürsten beziehungsweise Königs durchzusetzen, blieb dieser Versuch in den katholischen geistlichen Gebieten zumeist erfolglos, und die Stände konnten ihr Mitspracherecht weitgehend bewahren. Dies hatte im 18. Jahrhundert erhebliche Folgen für die Modernisierungsbemühungen. Während in den preußischen Gebieten etwa die Wirtschaftsförderung „von oben“ erfolgreich war, scheiterten viele entsprechende Ansätze im Zeichen der Aufklärung im katholischen Westfalen nicht selten an den jeweiligen ständischen Interessen. Auch im 18. Jahrhundert blieb Westfalen etwa im Siebenjährigen Krieg nicht von den allgemeinen politischen Entwicklungen verschont.

Allerdings kam es im 18. Jahrhundert wirtschaftlich in verschiedenen Teilen Westfalens zu einem beträchtlichen Wirtschaftsaufschwung. In Minden-Ravensberg nahm die Bedeutung der heimgewerblichen, protoindustriellen Textilindustrie erheblich zu. Im südlichen Westfalen und im Siegerland belebte sich die, durch den dreißigjährigen Krieg in die Krise geratene, Eisenproduktion und -verarbeitung. Während diese Entwicklung die aus verschiedenen Gründen wachsende landlose und landarme Bevölkerung zumindest notdürftig ernähren konnte, nahm in den agrarischen Gebieten des Münster- und Paderbornerlandes die Suche nach auswärtigen Verdienstmöglichkeiten zu.

Ende des Alten Reiches und Königreich Westphalen
Einen tiefgreifenden Bruch mit der seit dem frühen Mittelalter entstandenen territorialen Struktur bedeutete die Aufhebung der geistlichen Staaten im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses. Sofern diese Gebiete nicht an Preußen fielen, wurden mit ihnen meist landfremde Fürsten abgefunden, die durch französische Annexionen im Rheinland ihren bisherigen Besitz verloren hatten. Hierzu zählen insbesondere das Fürstentum Salm, das die Gebiete der früheren münsterschen Ämter Bocholt und Ahaus, der früheren Grafschaft Anholt und der früheren Herrschaft Gemen umschloss, und das Herzogtum Arenberg-Meppen, das unter anderem das früher kurkölnische Vest Recklinghausen erhielt. Das 1807 entstandene napoleonische „Königreich Westphalen“ griff zwar auf den Namen zurück, umfasste aber nur wenige als westfälisch geltende Gebiete.

Provinz Westfalen
Erst mit der preußischen Provinz Westfalen entstand – als Folge des Wiener Kongresses – seit 1815/16 ein einheitliches politisches Gebilde. Wie der heutige Landesteil von Nordrhein-Westfalen war die Provinz deutlich kleiner als das „kulturelle Westfalen“ der frühen Neuzeit.
Als preußische Provinz Westfalen waren von 1816 bis 1946 erstmals ein großer Teil der westfälischen Territorien Teil einer politischen Einheit. Die Provinzhauptstadt und Sitz des Oberpräsidenten war Münster. Die neue Provinz umfasste im Wesentlichen die bereits vor 1800 zu Preußen gehörigen Gebietsteile Minden, die Grafschaften Mark und Ravensberg, Tecklenburg sowie die nach 1803 an Preußen gelangten Fürstbistümer Münster und Paderborn sowie einige kleinere Herrschaften, darunter die Grafschaft Limburg an der Lenne. 1815 wurden somit auch jene westfälischen Gebiete preußische Provinz Westfalen, die Frankreich 1810 annektiert, aber schon kurz nach der Völkerschlacht von Leipzig (1813) wieder aufgegeben hatte, etwa das Fürstentum Salm und der Südteil des Herzogtums Arenberg (Vest Recklinghausen). 1815 wurden ferner die nördlichen und östlichen Gebiete des Großherzogtums Berg Teile der preußischen Provinz Westfalen. Im Jahr 1816 kam noch das Herzogtum Westfalen hinzu, das 1803 der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zugeordnet worden war. 1817 kamen das an Preußen gefallene Fürstentum Nassau-Siegen sowie die beiden Fürstentümer Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Sayn-Wittgenstein-Hohenstein an den Regierungsbezirk Arnsberg und somit in die preußische Provinz Westfalen.

Die Provinz Westfalen bestand aus einem nahezu geschlossenen Gebiet und war verwaltungsmäßig in die Regierungsbezirke Arnsberg, Minden und Münster gegliedert. 1816 wurde der Landkreis Essen in die Rheinprovinz ausgegliedert. 1851 und auch während der Weimarer Republik wurden die Grenzen der Provinz geringfügig verändert.
Vor diesem Hintergrund entwickelte sich im 19. und 20. Jahrhundert – gefördert auch von den Landesbehörden – stärker als zuvor ein westfälisches Selbstverständnis. Dieses stand dabei aber stets in Konkurrenz mit dem Nationalstaat, den regionalen und lokalen Traditionen. Einige der nicht in die preußische Provinz eingegliederten Territorien, die lange zum westfälischen Kulturraum gehört hatten, blieben unabhängige Teile des Deutschen Bundes und bildeten wie die Länder Oldenburg und Lippe eigene Bundesstaaten des Deutschen Reiches nach 1871. In ihnen nahm die Identifikation mit Westfalen im 19. und 20. Jahrhundert ab, stattdessen entwickelte sich ein teilweise starkes eigenständiges Landesbewusstsein.

Damit waren neben protestantischen auch katholische Gebiete in der neuen Provinz vereint. Vor allem die Integration des katholischen Westfalens stellte die preußischen Behörden vor erhebliche Herausforderungen. Für die Fernwirkung der konfessionellen Spaltung spricht bis weit ins 20. Jahrhundert hinein eine sehr unterschiedliche politische Kultur in den protestantischen und katholischen Gebieten.
Geprägt wurde die Entwicklung der Provinz während der industriellen Revolution und der Hochindustrialisierung des 19. Jahrhunderts vom industriellen Aufstieg des westfälischen Ruhrgebiets und der damit einhergehenden Differenz zwischen Stadt und Land. Im 20. Jahrhundert lässt sich nur noch ansatzweise von einer eigenständigen westfälischen Geschichte sprechen, da die Entwicklung in diesem Gebiet vor allem die Vorgänge in Deutschland insgesamt widerspiegelt.

Inflation, Ruhrkampf oder große Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgebern oder Arbeitnehmern wie der Ruhreisenstreit sowie die Folgen der Weltwirtschaftskrise betrafen während der Weimarer Republik nicht zuletzt auch die Industriegebiete Westfalens. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Provinz politisch gleichgeschaltet und führte kein nennenswertes Eigenleben mehr. Wie in ganz Deutschland wurden Regimegegner und jüdische Einwohner verfolgt und Behinderte getötet. Während des Zweiten Weltkriegs wurden auch aus Westfalen Juden in die Vernichtungslager transportiert. Vor allem in der zweiten Kriegshälfte wurde die Provinz Ziel von alliierten Bombenangriffen und in den letzten Kriegsmonaten auch Schauplatz von Bodenkämpfen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Provinz Westfalen ein Teil der Britischen Besatzungszone. Die Niederlande beanspruchten als Reparationsleistung die Abtretung eines Streifens südöstlich der deutsch-niederländischen Grenze. Entsprechende Forderungen wurden erst auf der Londoner Deutschland-Konferenz am 26. März 1949 weitestgehend ad acta gelegt. Der spätere erste Ministerpräsident des neu gegründeten Landes Niedersachsen, Hinrich Wilhelm Kopf, forderte in einer Denkschrift vom April 1946 den Einbezug der westfälischen Kreise Minden, Lübbecke, Tecklenburg, Bielefeld, Herford und Halle (Westf.) in das neue Land Niedersachsen.[10]
Die britische Militärregierung erklärte am 23. August 1946 das Land Preußen für aufgelöst und gründete am selben Tag das neue Land Nordrhein-Westfalen. Die ehemalige Provinz Westfalen wurde vollständig in dieses neue Land übergeführt, das mit dem Beitritt des Landes Lippe 1947 seine heutige Gestalt bekam.
© by Mirko Haxter von Löwenberg 2016-18
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